Vorwahl-Showdown in Ohio

6. März 2012, 06:15
Zehn Bundesstaaten befinden am Super Tuesday über ihren Mann für die republikanische Präsidentschaftskandidatur

Das mit Abstand wichtigste Rennen findet in Ohio statt.

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Vom Wochenende bis Dienstag, dem Super Tuesday, brachte es Mitt Romney auf sechs große Kundgebungen in Ohio. Sein schärfster Gegner Rick Santorum trat fünfmal auf. In keinem der zehn Bundesstaaten, in denen die Republikaner nun ihre Vorwahlen abhalten, gab es eine solche massive Präsenz der Bewerber um die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatur. Der Showdown, so stellt es sich unmissverständlich dar, findet am Super Tuesday in Ohio statt.

Der Bundesstaat im Mittelwesten ist ein symbolischer Wahlkampfschauplatz. Er ist nicht nur jetzt von zentraler Bedeutung für die Republikaner, sondern auch ein sogenannter Battleground State bei jeder US-Präsidentschaftswahl. Wer Ohio in der Tasche hat, der gewinnt üblicherweise auch die Präsidentschaft.

Wählergruppe Arbeiter

Romney, der mit Siegen in Michigan und Washington seine Spitzenreiterrolle zuletzt wieder etwas gefestigt hat, aber noch immer schlecht im Sattel sitzt, muss hier gewinnen, um den Favoritenstatus nicht gleich wieder zu verlieren. Er muss zeigen, dass er auch Staaten gewinnen kann, die bei der Wahl im November zählen. Er muss die in Ohio wichtige Wählergruppe der Arbeiter ansprechen - und er muss vor allem auch Verluste kompensieren, die ihm in den Südstaaten drohen.

Santorum muss in Ohio seinerseits beweisen, dass er mehr ist als ein Kandidat der religiösen Rechten und der rabiaten Tea-Party-Bewegung. Er muss seine Gegner Lügen strafen, die immer wieder erklären, er könne gegen Präsident Barack Obama nicht gewinnen, weil er keine Wähler außerhalb dieses engen Spektrums gewinnen kann. Für ihn geht es wie für Romney um die Arbeiter, aber auch um die Mittelklasse-Wähler in den Vorstädten von Cincinnati, Columbus und Cleveland.

In den jüngsten Umfragen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Bewerbern ab. Santorums Vorsprung schmolz auf zuletzt zwei Punkte zusammen, eine NBC/Marist-Studie prognostizierte für ihn 34 Prozent Zustimmung und für den früheren Investmentbanker Romney 32 Prozent. Aber auch wenn der erzkonservative Ex-Senator diesen hauchdünnen Vorsprung ins Ziel retten sollte, könnte der Sieg bitter schmecken, denn seine Kampagne hat es verabsäumt, Delegierte für alle Distrikte in Ohio zu nominieren. So könnte er auf 18 von insgesamt 66 in Ohio zu vergebenden Delegierten gar keinen Zugriff haben.

Santorum im Bible Belt vorne

In den anderen neun Super-Tuesday-Staaten scheinen die Rennen weniger eng zu sein. Santorum liegt im "Bibelgürtel" komfortabel voran. Er dürfte Oklahoma holen und auch Tennessee. Romney winkt ein Sieg in Massachusetts, wo er seinerzeit Gouverneur war, außerdem in Vermont, Idaho und Virginia. Dort stehen nur er und Ron Paul zur Wahl, weil Santorum und Newt Gingrich ihre Kandidatur nicht rechtzeitig angemeldet haben.

Der Kongressabgeordnete Paul rechnet sich Chancen in Alaska aus, dort gibt es einen großen Anteil an Libertären, und er war der Einzige, der zu Auftritten in den hohen Norden reiste. Auch in North Dakota dürfte es gut für ihn laufen. Gingrich dagegen setzt alles auf Georgia. Es ist jener Bundesstaat, den er über Jahrzehnte im Kongress vertreten hat - und nach Delegierten gerechnet (76) der größte im Spiel. Wenn der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses weiter ein glaubhafter Bewerber sein will, braucht er unbedingt einen beeindruckenden Sieg in dem Staat. Sonst ist das Rennen für ihn de facto vorbei.

Ganz generell hat Gallup zuletzt erhoben, dass die wichtigsten Wahlkampfthemen für eingetragene Wähler in den USA die Wirtschaftslage, Jobs, das Budgetdefizit und die Gesundheitsreform sind (in dieser Reihenfolge).

Die Demoskopen haben auch festgestellt, dass die republikanischen Wähler aufgrund der Debatten bei den Vorwahlen derzeit enthusiastischer auf den Präsidentschaftswahlkampf blicken als die Demokraten. Dennoch würde Obama wie 2008 - Stichwort Battleground State - in Ohio auch heute deutlich gegen jeden der möglichen Kandidaten gewinnen. (Christoph Prantner aus Cincinnati, DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2012)

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