, Christoph Winder

No Go

Was einst im Englischen nicht ging, geht jetzt im Deutschen umso besser. Oder doch nicht?

No Go kommt ursprünglich aus der Astronautensprach. 

foto: ap/nasa

Wenn ich mich recht erinnere, bin ich erstmals in den USA auf die apart sich reimende englische Wortkombi No Go gestoßen. Dies im Zusammenhang mit den sogenannten No Go-Areas, städtischen Problemgebieten, die man besser nur dann aufsucht, wenn man Wert auf einen richtiggehenden Abenteuerurlaub inklusive Stich- und Schusswunden legt. Jahrzehnte ist das inzwischen her, und seither hat das No Go auch hierzulande Karriere gemacht. Der etwas diffuse semantische Umfang von No Go umfasst alles, was sich nicht gehört, effektiv verboten, gefährlich, unschicklich, unmodisch oder nicht ratenswert ist. "Sex beim ersten Date?", fragt sich das Magazin "Glamour" und gibt sich auch gleich selbst die Antwort: "Ein absolutes No Go!" Charttechniker Daniel Haase, wer immer das sein mag, meint im "Deutschen Anleger Fernsehen", die Aktie der Commerzbank sei weiter "ein No Go für konservative Anleger". Die Website www.parents.at fragt ihre Nutzer nach "No Go-Vornamen" ("mein absoluter no-go name: aimee, weil die meisten eltern den namen vergeben und dann wie amy aussprechen"). Die "g’sunde Watschen ist ein No Go", sagt die Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg auf ihrer Homepage. Kollege Dorian Waller, der mir die No Goes ans Herz gelegt hat (Danke!), hat mir auch gleich noch ein paar aus seiner Sammlung mitgeschickt: "Brusthaare sind ein absolutes No Go", "Carbonara ohne Pecorino ist ein No Go", "Frau mit Kind ist ein No Go", "No Go Erbschaftssteuer" etc. Bei einem solchen Andrang von No Goes kann einem schon einmal der sprichwörtliche Kragen platzen, und ich erinnere mich noch gerne an den famosen Fernsehauftritt des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl vor der letzten Gemeinderatswahl: Als die damalige ÖVP-Spitzenkandidatin Christine Marek die Neue Mittelschule als ein No Go bezeichnete, entgegnete Häupl in sprachlich angemessener Form, dass die Neue Mittelschule für die SPÖ ganz im Gegenteil ein "Go Go" sei. Das heißt in dem Zusammenhang zwar nix, war aber als spontane Wortbildung ausgesprochen amüsant.

Noch zwei Anmerkungen zum englischen No Go: Laut Websters New World College Dictionary kommt das englische Slang-Adjektiv no-go ursprünglich aus der Astronautensprache (was es nicht alles gibt!). Es bezeichnet etwas, was nicht korrekt funktioniert oder noch nicht funktionstüchtig ist. Das Urban Dictionary enthält den Ausdruck No-Go-Ho, als vulgäre Bezeichnung für eine "Schlampe" oder "Nutte" (Ho), mit der man besser keine sexuelle Beziehung eingehen sollte (Geschlechtskrankheit, eifersüchtiger Freund etc.). Wie auch immer: Heitere und informative Postings sind in Winders Wörterbuch das absolute Gegenteil von einem No Go. Ich bitte daher die verehrte Leserschaft, beherzt in die Tasten zu greifen.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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