Ortswechsel machen uns vergesslich

15. März 2012, 15:47
Nicht Demenz, sondern Strategie des Archivierens: Gehirn koppelt Gedanken oft an das Zimmer, in dem er entstand

Weinheim - Diesen Moment kennt vermutlich jeder aus eigener Erfahrung: Man betritt ein Zimmer und fragt sich plötzlich, was man hier eigentlich machen wollte. Der totale Erinnerungsausfall ist keineswegs ein Anzeichen verfrühter Demenz, sondern hat vielmehr etwas damit zu tun, wie das menschliche Gehirn arbeitet. Es koppelt nämlich einen Gedanken oft an das Zimmer, in dem er entstand, wie US-Wissenschafter in einer aktuellen Studie im Fachmagazin "Quarterly Journal of Experimental Psychology"  berichten. Der Grund: Das Gehirn bündelt Erinnerungspakete - allerdings nicht unbedingt nach inhaltlichen Gesichtspunkten, sondern manchmal auch nach anderen. So seien für die Erinnerungsstruktur oft auch räumliche Gegebenheiten entscheidend.

Türen als Erinnerungskiller

Die Forscher an der University of Notre Dame (US-Staat Indiana) baten für drei Experimente jeweils rund 60 Menschen Gedächtnisübungen zu machen. Unter anderem sollten sie Gegenstände in verschiedene Kisten verstauen und sich später daran erinnern - einige Probanden im selben Raum, andere im Nebenraum. Der Test ergab: Türen können Erinnerungskiller sein. Bei den Teilnehmern, die durch eine Tür gehen mussten, waren die Erinnerungen eher verblasst als bei denen, die im selben Raum blieben. Die Forscher nennen das einen "räumlichen Aktualisierungseffekt".

Archivierte Gedanken

Auch die Rückkehr in den Raum des Gedankens helfe nicht viel, berichten die Wissenschafter um Gabriel Radvansky. Die Experimente hätten gezeigt, dass das Gehirn die zum Zimmer gehörenden Gedanken mit dem Überschreiten der Türschwelle regelrecht "wegordne". Einmal archiviert, seien sie nicht so leicht wieder abrufbar. (APA/red, derstandard.at. 15.3.2012)


Abstract
Quarterly Journal of Experimental Psychology: Walking through doorways causes forgetting: Further explorations - pdf-Dokument

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