Black Wings vs. KAC: Ausblick auf das Finale

Hannes Biedermann
22. März 2012, 02:49
Linz gegen Klagenfurt lautet das Endspiel in der Eishockey Liga - Vorschau auf die Finalserie

Nach insgesamt 303 Bewerbsspielen wird die Saison 2011/12 ihrer finalen Entscheidung zugeführt. In bis zu sieben Spielen wird nach zwei Titeln für den EC Salzburg im Duell zwischen dem EHC Linz und dem Klagenfurter AC ein neuer Meister gesucht. Während der Rekordmeister aus Kärnten nach dem 30. Championat seiner langen Klubgeschichte, dem 23. seit Bundesligagründung, strebt, hoffen die Black Wings auf eine Wiederholung ihres bisher einzigen Erfolgs aus dem Jahr 2003. Einen klaren Favoriten kennt die Endspielserie in diesem Jahr nicht, im Folgenden die Darstellung der Ausgangslage.

Die Geschichte

Glanz und Gloria kennzeichnen die Historie des Klagenfurter AC, der vor zwei Jahren sein hundertstes Jubiläum beging und in dem seit 1924 Eishockey gespielt wird. Als erster nicht in der Bundeshauptstadt Wien beheimateter Klub gelangte man 1934 zu Meisterehren, bis 2009 folgten 28 weitere Titel. Auch wenn der heute um Tore, Siege und Pokale kämpfende KAC vereinsrechtlich streng betrachtet erst 1995 gegründet wurde, sind die Rotjacken das traditionsreichste Team der Republik. Zehn der 29 Meistertitel hat das sportliche Aushängeschild der Kärntner Landeshauptstadt als Sieger von Play-Offs errungen, insgesamt stehen 230 Post Season-Spiele (145 Siege) bzw. 53 Serien (38 gewonnene) zu Buche.

Wesentlich jugendlicher als die "Alte Dame" KAC präsentiert sich Finalgegner Linz. Zwar war Oberösterreich 1920 das erste Bundesland mit einem eigenen Landesverband, erstklassiges Eishockey wird dort aber erst seit dem Ligacrash des Jahres 2000 gespielt. Ihren größten Erfolg verzeichneten die Black Wings im Jahr 2003, als am Ende einer Spielzeit mit nur 14 Niederlagen in 52 Spielen der erste und bisher einzige Meistertitel stand. Der Klub verfügt über umfangreiche Erfahrung in der KO-Phase, erreichte in zwölf Erstligajahren zehn Mal die Play-Offs und in neun Fällen auch die Runde der letzten Vier.

Duelle zwischen Klagenfurt und Linz waren bisher zwar nicht den heißesten Rivalitäten im nationalen Eishockeygeschehen zuzurechnen, dennoch verzeichnen die Geschichtsbücher bereits 83 Begegnungen, bei denen in der Mehrzahl der Fälle die Oberösterreicher (47 Siege) das bessere Ende für sich hatten. In den Play-Offs traf man bisher zwei Mal aufeinander, jeweils endete die Serie für ein Team ohne auch nur ein gewonnenes Spiel und die Saison für das andere mit dem Meistertitel.

Der Saisonverlauf

Das gesamte Spieljahr in Betracht gezogen, erlebt die Erste Bank Eishockey Liga im Jahr 2012 ein Endspiel zweier Klubs, die sich die Finalteilnahme redlich verdient haben. Der EHC Linz präsentierte sich nach einem radikalen personellen Umbruch im Sommer als die dominante Mannschaft des Grunddurchgangs und konnte sowohl diesen als auch die Platzierungsrunde auf Rang eins beenden. Der KAC hingegen entpuppte sich als die stärkste Mannschaft in den Play-Offs, indem man zunächst Titelverteidiger Salzburg in sechs und anschließend Medveščak Zagreb in fünf Spielen eliminierte.

Den wichtigsten Baustein zum Erfolg in der bisherigen Spielzeit legten die Black Wings schon im letzten Frühjahr mit der Verpflichtung von Trainer Rob Daum. Er stellte im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten einen sehr homogenen Kader zusammen und zeichnet für eine der an Fehlern ärmsten Transferpolitik der jüngeren Ligageschichte verantwortlich. Einem beeindruckenden Grunddurchgang ließen die Oberösterreicher jedoch schaumgebremste Play-Offs folgen: Die Viertelfinalserie gegen die Vienna Capitals hätte auch anders enden können, in der Runde der letzten Vier wurde man von Olimpija Ljubljana nicht wirklich ans Limit gedrängt.

Anders die Situation beim KAC: Nach einem tollen Saisonstart mit Punktgewinnen in den ersten zehn Spielen folgten von Anfang November bis Mitte Dezember sechs magere Wochen mit nur zwei Siegen in elf Partien. Die schwankenden Leistungen kosteten im Feber Nationaltrainer Emanuel Viveiros das Amt als Head Coach in Klagenfurt, sein Nachfolger Christian Weber vermochte das Team jedoch wachzurütteln.

Die Trainer

Obwohl erst seit Sommer Trainer der Black Wings, wird Rob Daum nach der Finalserie bereits die an Spielen hinter der Bande gemessen viertlängste Amtszeit aller Coaches in der zwölfjährigen Erstligageschichte des Klubs aufweisen. An der Donaulände hofft man, noch viel länger auf ihn bauen zu können, vereint der 54jährige Kanadier doch die Skills eines Sportdirektors und eines Trainers in einer Person. Geschickte Transferpolitik, wissenschaftlich anmutende Analysefähigkeiten und darauf fußende taktische Finesse machen Daum zum Glücksgriff für Linz.

Sein Gegenüber, der Schweizer Christian Weber, stand erst am 14. Feber - ausgerechnet gegen die Black Wings - erstmals beim KAC an der Bande. In einem dem Rekordmeister eher unwürdigen Schauspiel trennte man sich zuvor nach fünfeinhalb Jahren von Emanuel Viveiros, hat damit retrospektiv betrachtet aber alles richtig gemacht. Weber hat der zuvor leblos wirkenden Klagenfurter Mannschaft neuen Esprit eingehaucht, sie in nahezu allen Aspekten des Spiels erfolgreich neu ausgerichtet und damit in zwölf Spielen neun Siege eingefahren.

Der Schweizer Weber, Coach der österreichischen U20-Nationalmannschaft, gegen den Kanadier Daum, Co-Trainer des rot-weiß-roten A-Nationalteams - auch das Duell der Chefstrategen auf der Bank verleiht dem Finale 2012 besonderen Reiz.

Die Schlüsselspieler

Zwei der in der offensiven Dimension stärksten Angriffslinien der Liga auf Seiten der Black Wings, vier auf bemerkenswertem Niveau ausgeglichene Sturmformationen beim KAC - das Finale wird ob dieser faktischen Ausgeglichenheit nicht in Sachen Feuerkraft entschieden. Beide Teams weisen in der Defensive gewisse Schwachstellen auf, effektiv nützen könnten diese zwei routinierte Cracks.

Bei den Rotjacken kämpft die lebende Legende Dieter Kalt, trotz Teamrücktritt vor mehr als drei Jahren der Spieler mit den drittmeisten Länderspielen der österreichischen Eishockeygeschichte, um die Beendigung einer düsteren Serie: Noch nie in seiner von 289 Erstligatoren gepflasterten Karriere hat der 37jährige Stürmer für seinen Stammverein KAC einen Treffer gegen Linz erzielt.

Auf Seiten der Oberösterreicher könnte Philipp Lukas jener Spieler sein, der den Unterschied ausmacht. Der mit 23 Toren beste Play-Off-Schütze der Klubgeschichte erfüllt mittlerweile vornehmlich defensive Aufgaben. Als Center führt er die dem KAC nominell deutlich unterlegene vierte Linie der Wings an, je besser sein Block in der Finalserie bilanzieren kann, desto höher die Linzer Chancen auf den Titelgewinn.

Die Goalies

Hinter der Finalpaarung zwischen Linz und Klagenfurt verbergen sich auch zwei außergewöhnliche Torhütergeschichten. In gemeinsam 20 Saisonen als Profis konnten weder der US-Goalie der Black Wings, Alex Westlund, noch der Kanadier Andy Chiodo vom KAC jemals einen Meistertitel als "Einser" gewinnen. Beiden haftet der Ruf an, in den Play-Offs Leistungsschwankungen unterlegen zu sein, beide konnten in dieser Saison bisher das Gegenteil beweisen, einem von ihnen dürfte dieses Image nach der Serie aber dennoch erhalten bleiben.

Während der 36jährige Westlund wohl eine der letzten Titelchancen seiner Karriere erhält und auch seine Zukunft in Linz von einem Finalerfolg abhängt, steht bereits fest, dass Chiodo auch im kommenden Jahr das KAC-Tor hüten wird. Nach einem schwachen Grunddurchgang mit nur 11 Siegen bei 24 Einsätzen hat sich Klagenfurts Schlussmann in den Play-Offs maßgeblich gesteigert und seinen Gegentorschnitt um fast 25 Prozent gesenkt. Westlund hingegen verbinden mit den Rotjacken primär gute Erinnerungen: Sein erstes EBEL-Spiel, sein erster Sieg in der Liga und auch sein erstes Shutout notieren aus einem Spiel gegen den KAC. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 22.März 2012)

Hinweis: derStandard.at liefert auch in diesem Jahr Live-Berichte zu allen Finalspielen. Den Ticker zur Auftaktpartie am Donnerstag in Linz gibt es hier.