Dufte

Einserkastl | Severin Corti
26. März 2012, 08:55
Gute Geschichten und Illustrationen reichen bei Kinderbüchern offenbar längst nicht mehr

In Bologna fand soeben die große internationale Kinderbuch-Messe statt. Um Kinder noch für Bücher zu begeistern, lassen die Verleger sich tolle Dinge einfallen. Gute Geschichten, fantasievolle Plots und der Zauber einer inspirierten Illustration reichen offenbar längst nicht mehr.

So kündigte der britische Autumn-Verlag an, künftig Geruchs-Geschichten aufzulegen. Das gab es zwar schon, dank "herausragender neuer Technologie" würden die Bücher nun aber "unglaublich echt" duften können und dem Leser "völlig neue, magische Momente bescheren". Juhu. Nur hoffnungslos verkalkte Zeitgenossen hängen offenbar noch der Vorstellung nach, dass die Vermittlung "magischer Momente" immer schon Merkmal eines guten Kinderbuchs gewesen sei. Papperlapapp.

Erst die neuen Bücher werden das wirklich können: "Wir werden dem Leseerlebnis Spaß einhauchen", erklärte der Verlagschef der darob verblüfften Öffentlichkeit. Ein erster Band mit dem schönen Titel Der Splotz werde "angenehme Beeren- und Kaugummiaromen" verströmen. Na bumsti, da wird sich Harry Potter aber in Acht nehmen müssen. Den wahren Duft-Knüller behalten die Verlagsstrategen jedoch noch in der Hinterhand. Einzig der Titel wurde bislang kommuniziert: Der famose Furzer. Schön. Er legt halt die Vermutung nahe, dass der Herr Verleger sich mit diesem OEuvre vor allem selbst ein würdiges Denkmal setzen wird. (Severin Corti, DER STANDARD, 26.3.2012)