Greenpeace prangert Atomstromimporte an

26. März 2012, 11:52
Im Vorfeld des dritten "Energiegipfels" am 16. April im Bundeskanzleramt

Wien - Im Vorfeld des dritten "Energiegipfels" am 16. April im Bundeskanzleramt zum Verbannen von Atomstrom aus Österreich hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Montag in der Früh eine Protestaktion bei der Zentrale des börsenotierten Verbund gestartet. Grund: "Der Verbund ist der größte Importeur von Atomstrom nach Österreich", das Unternehmen solle gänzlich auf Geschäfte mit Nuklearenergie verzichten und ein Importverbot für Atomstrom unterstützen, so Greenpeace-Sprecher Jurrien Westerhof in einer Aussendung.

Spruch an Häuserwand projiziert

Bei der heutigen Aktion haben die Greenpeace-Aktivisten laut Eigenangaben in den frühen Morgenstunden ein großes Radioaktivitätszeichen und den Slogan "Wasserkraft predigen, Atomstrom verkaufen" auf die Verbund-Firmenzentrale in der Wiener Innenstadt projiziert. Beim Unternehmen blieb das unbemerkt: "Zu Beginn der Bürozeiten war niemand mehr hier", sagte Verbund-Sprecherin Ines Schurin auf Anfrage. In der Zentrale selbst habe es keinerlei Aktionen gegeben, auch vor der Türe sei "nichts Unruhiges abgelaufen".

Greenpeace will den Import von Atomstrom gesetzlich verbieten; nur so würden AKW-Projekte an Österreichs Grenzen unrentabel. Der Verbund wehrte sich gegen die Kritik: Als größter Stromproduzent des Landes sei man nicht auf Importe angewiesen. Im Jahr 2010 seien nur 1,7 Prozent der gesamten nach Österreich eingeführten Strommenge auf den Verbund entfallen - dies, um kurzfristige, saisonbedingte Schwankungen auszugleichen.

3,9 Prozent Atomstrom in Österreich

Am 16. April findet der dritte Energiegipfel statt, bei dem Vertreter von Regierung, E-Wirtschaft und Umweltschutzorganisationen diskutieren, wie Österreich gänzlich unabhängig von Atomstrom werden kann. Derzeit beträgt der Atomstromanteil im österreichischen Netz laut jüngsten Angaben des Wirtschaftsministeriums rechnerisch 3,9 Prozent. Ein Importverbot von Atomstrom könnte gegen EU-Recht verstoßen - zu diesem Schluss kommt zumindest die EU-Kommission in einer Stellungnahme, die Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) angefordert hat. NGOs sind freilich anderer Meinung. Weiters diskutiert werden Herkunftszertifikate für sogenannten Graustrom, also Strom unbekannter Herkunft. Hinter diesem verbirgt sich nämlich der Atomstrom.

Bis zum Jahr 2014 soll Österreich durch den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien übers Jahr gerechnet keinen Atomstrom mehr importieren, hatte Minister Mitterlehner zuletzt wiederholt. (APA, 26.3.2012)

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