Schüchternheit, die das Leben schwer macht

28. März 2012, 15:50
Universitätsklinikum Heidelberg prüft Therapien bei sozialen Ängsten im Jugendalter

Heidelburg - Wem der Kontakt mit anderen Angst einflößt und ständig fürchtet, sich zu blamieren, der leidet unter "sozialer Phobie". Diese Angsterkrankung ist eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Um betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Zukunft gezielt helfen zu können, vergleichen Psychologen der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg im Rahmen einer Studie (SophoYou) in Zusammenarbeit mit anderen Universitätskliniken die Wirksamkeit zweier psychotherapeutischer Behandlungskonzepte.

Jeder zehnte Jugendliche betroffen

Laut einer Studie der Universität Frankfurt mit 600 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 20 Jahren leidet mehr als jeder zehnte Jugendliche unter einer sozialen Phobie. Betroffene fürchten, dass sie in Gesellschaft anderer etwas Peinliches oder Beschämendes sagen oder tun könnten. Als besonders bedrohlich empfinden sie Situationen, in denen sie - wie bei mündlichen Prüfungen, Referaten oder Bewerbungsgesprächen - einer direkten Beurteilung ausgesetzt sind. Die gefürchteten Situationen rufen fast immer eine unmittelbare Angstreaktion hervor - etwa Herzrasen, Schwindel, Atemnot oder Übelkeit. Obwohl die Jugendlichen meist erkennen, dass die Angst übertrieben oder unbegründet ist, versuchen sie, die Auslöser zu meiden.

Probleme in sozialen Situationen

Die soziale Phobie verläuft unbehandelt meist chronisch und hat starke Auswirkungen auf den weiteren Lebensweg: Betroffene Schüler fehlen häufig in der Schule und beteiligen sich nur wenig am Unterricht. In der Folge machen viele einen schlechteren Schulabschluss, als nach ihrem Intellekt zu erwarten wäre. Typisch ist auch, dass sie Berufswünsche aufgeben, wenn Ausbildung, Studium oder Beruf häufigen Kontakt mit fremden Menschen oder Vorträge mit sich bringen. Zudem tun sich Betroffene schwer beim Aufbau sozialer Beziehungen: Das Ansprechen eines unbekannten Menschen kann ein unüberwindliches Hindernis darstellen und kann zu sozialer Isolation führen.

Therapien bei Erwachsenen bewährt

Beide Behandlungskonzepte, die die Heidelberger Wissenschaftler um Projektleiter Klaus-Thomas Kronmüller, Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie, untersuchen, haben sich bei Erwachsenen mit sozialer Phobie bereits bewährt. Nun soll die multizentrische Studie zeigen, ob die Therapieansätze bei Jugendlichen ebenso wirksam sind. "Mit einer früher einsetzenden Behandlung wollen wir verhindern, dass Berufslaufbahn und private Beziehungen unter den sozialen Ängsten leiden", erklärt Kronmüller in einer Aussendung. Ziel der Therapien ist es, den betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu mehr Selbstsicherheit in Schule, Studium, Ausbildung und Beziehungen zu verhelfen. Für die Studie werden noch Studienteilnehmer im Alter von 14 bis 20 Jahren gesucht. (red, derStandard.at, 28.3.2012)

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