"Haben Vielzahl an Top-Unternehmen"

Bettina Pfluger
29. März 2012, 15:10
Viele österreichische Unternehmen haben im Weltmarkt ihre Nische gefunden. Alois Wögerbauers "3-Banken-Österreich-Fonds" wurde nun gekürt

Internationale Investoren tun es derzeit nicht. Er schon. Alois Wögerbauer glaubt an die österreichischen Unternehmen. Der Fondsexperte managt seit rund zehn Jahren den "3-Banken-Österreich-Fonds", der heuer von Morningstar zum besten Österreich-Fonds gekürt wurde.

Warum Wögerbauer an die "Österreich-Story" glaubt, erklärt er im Gespräch mit dem Standard so: "Weil wir ganz einfach eine Vielzahl an Top-Unternehmen haben - Firmen wie Lenzing, Kapsch, Andritz sind weltmarktführend in ihren Bereichen." Die Bewertungen dieser Unternehmen seien zudem attraktiv. Wögerbauer ist auch überzeugt davon, dass sich die Region Österreich/Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Regionen besser entwickeln wird. "Viele Unternehmen haben zudem längst die Chancen der globalen Märkte erfasst", sagt der Fondsmanager. Gerade kleinere Märkte würden für Investoren auch selektiv ausgezeichnete Möglichkeiten bieten.In den Fonds von Wögerbauer kommen jene Titel, die er von den Fundamentaldaten her für attraktiv hält. Wichtig sei in diesem Zusammenhang aber auch das globale Weltbild: "Ich brauche eine Meinung zu Öl, um eine Meinung zur OMV zu haben, und ich brauche ein Bild zu China und zur Autoindustrie, um ein Bild zur Voestalpine zu haben", erklärt der Fondsmanager seinen Auswahlprozess.

Offene Gewichtung

Wird eine Aktie gekauft, ist deren Gewichtung im ATX-Prime-Index (gilt als Benchmark für den Fonds) kein Kriterium. Die Größe der jeweiligen Position für den Fonds entscheidet Wögerbauer selbst. Diese Unabhängigkeit von der Benchmark ist es auch, die Morningstar an dem Fonds gefällt, wie Maximilian Kreitlmeier, Fondsanalyst bei Morningstar, dem Standard sagt. Auch der aktive Managementansatz habe dem Fonds viel Performance gebracht, hebt Kreitlmeier hervor: "Wögerbauer macht das, wovon er überzeugt ist."

Das kann zum Beispiel dazu führen, dass Banken bzw. Finanzwerte im Fonds sehr niedrig gewichtet sind, die im Vergleichsindex aber eine große Position einnehmen. Im Bankenbereich hätte sich der Fonds damit viel Negativ-Performance erspart, heißt es. Auch der baldige Verkauf von Intercell habe den Anlegern den vollen Kursrutsch des Biotech-Unternehmens erspart.

Dass dennoch alles immer glatt läuft, ist freilich auch beim " 3-Banken-Österreich-Fonds" nicht der Fall. Heuer liegt der Fonds zwar bereits knapp 20 Prozent im Plus (der ATX-Prime hat knapp 17 Prozent zugelegt), aber am volatilen Vorjahr ist auch Wögerbauer nicht vorbeigekommen. Auf Ein-Jahres-Sicht liegt die Performance bei minus 10, 34 Prozent (Benchmark: minus 20,29 Prozent). Seit dem Fondsstart (1. Jänner 2003) liegt der Fonds allerdings 12,66 Prozent pro Jahr im Plus - der ATX-Prime konnte in dieser Zeit 6,67 Prozent zulegen. Wann Wögerbauer eine Aktie wieder verkauft, dafür gibt es keine fixe Regel: " Es kann öfter vorkommen, dass man die Grundstrategie ändert, weil ein Thema gerade 'in' oder 'out' ist", sagt Wögerbauer. Auch die Konjunkturzyklen würden immer kürzer. An einigen Werten hält der Fondsmanager allerdings seit Fondsstart fest: OMV, Andritz und Verbund sind von Anfang an dabei - allerdings wechselt die Gewichtung der Papiere laufend.

Suche nach Liquidität

Für den heimischen Markt bleibt Wögerbauer optimistisch. Bewertungsmäßig habe der österreichische Markt jedenfalls weiteres Aufholpotenzial. Um dieses zu heben, wäre jedoch eine Rückkehr der ausländischen Investoren wichtig. Dafür sei aber auch die Wahrnehmung Österreichs im Ausland entscheidend, und diese sei 2011 teilweise sehr schlecht gewesen.

Die Wiener Börse brauche auch nicht unbedingt neue Börsengänge - wichtiger sei, mehr Liquidität in die bestehenden Titel zu bekommen. Auch die Grunddenke zu ändern wäre wichtig: "Die Beteiligung an tollen Unternehmen ist volkswirtschaftlich sinnvoll und wichtig für den Wohlstand eines Landes", sagt Wögerbauer. Keinesfalls sei eine Beteiligung "Spekulation", wie es derzeit politisch oft behauptet würde. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 29.3.2012)

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