Ungeklärte Todesfälle: Erste Exhumierung durchgeführt

2. April 2012, 10:51
Zweite voraussichtlich noch diese Woche - Derzeit "keine Hinweise" auf Mittäter

Krems - Im Zusammenhang mit zwei ungeklärten Todesfällen in Wien und Niederösterreich hat Montagfrüh die erste Exhumierung stattgefunden. In Schwechat wurde die Leiche des Niederösterreichers Alois F. ausgegraben, bestätigte Franz Hütter, Sprecher der Staatsanwaltschaft Krems, entsprechende Medienberichte. Die 51-jährige Bogumila W. steht im Verdacht, den Wiener Herbert A. (68) schleichend mit Arsen und den 62-jährigen Alois F. mit einem pflanzlichen Stoff vergiftet zu haben. Sie befindet sich seit Freitag in Krems in U-Haft.

Die Exhumierung von A., der ebenfalls in Niederösterreich beerdigt wurde, soll auch noch diese Woche stattfinden. Einen genauen Tag wollte Hütter nicht nennen, in Berichten war von Mittwoch die Rede. Die anschließenden toxikologischen Untersuchungen dürften mehrere Wochen in Anspruch nehmen, hieß es seitens der Anklagebehörde.

Ob die Verdächtige Mittäter hatte, ist aus Sicht der Ermittler noch unklar. Derzeit gebe es "keine Hinweise" auf weitere Personen, die Erhebungen würden aber noch laufen, so der Sprecher. Wann die 51-Jährige erneut einvernommen werde, sei noch nicht fixiert - spätestens aber bei der Haftprüfung am 13. April. Ihre Verantwortung - sie bestreitet die Vorwürfe und kann sich den Tod ihrer beiden "Schützlinge" nicht erklären - habe sich bisher nicht geändert.

Eigentumswohnung zur "Pflege" überschrieben

Die 51-Jährige hatte zunächst Herbert A. kennengelernt und war als seine "Pflegerin" - für diese Dienste hatte er ihr seine Eigentumswohnung überschrieben - bei ihm eingezogen und hatte ihn stets mit selbst zubereiteten Speisen versorgt. Er starb am 15. Oktober 2010, wie man zunächst annahm, eines natürlichen Todes. Eine Anzeige der Tochter, die erst vom Ableben ihres Vaters erfahren hatte, als die Verdächtige mit der Verlassenschaft verschwunden war, brachte die Ermittlungen ins Rollen. Bei einer chemischen Analyse einer Gewebeprobe über ein Jahr nach seinem Tod wurde schließlich das 50-fache der normalen Arsen-Konzentration festgestellt.

Auch der Tod von Alois F. könnte auf das Konto der Frau gehen. Er war wie A. von ihr "gepflegt" worden und am 14. Februar 2011 im Spital an den Folgen einer Infektion durch einen Schimmelpilz verstorben. Nach dem Ableben der beiden Männer verschwanden ihre Autos, so Hütter. Die an Bogumila W. überschriebene Eigentumswohnung wurde von ihr verkauft. Was es sonst noch an Vermögenswerten gegeben hatte, die die Polin an sich gebracht haben könnte, sei noch unbekannt. (APA, 2.4.2012)

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