Spritpreis erstmals über 1,50 Euro je Liter

Günther Strobl
3. April 2012, 17:43

Treibstoffe sind in Österreich so teuer wie nie. Ökonomen befürchten einen Dämpfer für die Konjunktur

Wien - Autofahrer müssen sich auf eine längere Fastenzeit einstellen. Erst am Dienstag haben die Preisen an den Zapfsäulen österreichsicher Tankstellen mit durchschnittlich 1,513 Euro je Liter bei Eurosuper und 1,436 Euro bei Diesel (siehe Grafik) neue Höchststände erreicht. "Es ist nicht davon auszugehen, dass die Preise bis zum Ende der Osterferien zurückgehen", sagte Thomas Woitsch vom ARBÖ dem Standard.

Dabei war schon der März der teuerste Tankmonat seit es Aufzeichnungen gibt. Selbst im Sommer 2008, als der Rohölpreis kurz auf 147 Dollar je Fass kletterte, war Sprit billiger als jetzt. Damals federte der starke Euro den Höhenflug der Preise etwas ab. Der von 1,50 je Dollar auf gut 1,30 gesunkene Eurokurs kann jetzt nicht mehr als Preisbremse herhalten.

Dennoch ist es für ARBÖ-Mann Woitsch "unverständlich, warum die Spritpreise quasi über Nacht um 2,0 bis 2,5 Cent je Liter gestiegen sind". An den Rohölmärkten könne es nicht liegen, dort seien die Preise zuletzt von 125 Dollar auf 123 Dollar je Fass gesunken.

Bei den Mineralölfirmen argumentiert man mit Angebot und Nachfrage. Zu Ostern seien Millionen zusätzliche Autos auf den Straßen unterwegs, entsprechend steige der Bedarf an Sprit.

Nur Slowenien billiger

Im Westen Österreichs werden zum Teil bereits Preise von 1,60 Euro und mehr je Liter verlangt. "Je näher man zur Grenze nach Deutschland, Italien oder die Schweiz kommt, desto teurer wird es", weiß Woitsch aufgrund von Erhebungen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass Benzin und Diesel in allen Nachbarländern Österreichs außer Slowenien noch teurer ist. Wer zusätzlich an Autobahntankstellen nachfülle, müsse mit Preiszuschlägen von bis zu 20 Cent je Liter rechnen.

Durch die hohen Rohöl- und Spritpreise fließt viel Kaufkraft ab. Davon profitieren in erster Linie die Opec-Länder. "Wenn die hohen Preise ein kurzfristiges Phänomen sind, hat das so gut wie keine Folgen - dann wird auf Erspartes zurückgegriffen", sagte Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut. "Wenn es aber, wie wir glauben, eine längerfristige Sache ist, dämpft das die Konjunktur. Dann steht weniger Geld für anderen Konsum zur Verfügung, die aus dem Euroraum oder heimischer Produktion kommen".

Preissprünge gibt es in ganz Europa. In Italien und Frankreich wurden teilweise schon Spritpreise von zwei Euro je Liter gesehen. (Günther Strobl, DER STANDARD, 4.4.2012)

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