Malikis einsamer Syrien-Kurs

Gudrun Harrer
3. April 2012, 17:43
Golfmedien: Iraks Premier ist eine Marionette des Iran

Bagdad/Wien - Der während des Liga-Gipfels in Bagdad gehaltene arabische Burgfrieden ist völlig zusammengebrochen: Dass sich der irakische Premier Nuri al-Maliki gegen die Unterstützung des bewaffneten Aufstands in Syrien ausgesprochen hat, die Saudi-Arabien und Katar ankündigten, hat ihm einen Sturm der Entrüstung eingetragen.

Der Leitartikler von "Al-Sharq al-Awsat", Tariq al-Homayed, ging so weit, Sanktionen gegen Maliki zu verlangen. Man müsse verhindern, dass ein neuer Saddam oder noch ein Bashar al-Assad entstehe. Die Tageszeitung "al-Riad" bezichtigte Maliki, als "die Stimme des Iran" zu fungieren. Malikis Meinung, das Assad-Regime werde überleben, wurde von "Al-Sharq al-Watan" als Liebedienerei Malikis seinen iranischen Alliierten gegenüber bezeichnet.

Maliki hatte seine Kritik an der Finanzierung der Free Syrian Army mit einem Seitenhieb auf Katar verbunden, wo sich momentan Iraks Vizepräsident Tarik al-Hashimi aufhält. Gegen den sunnitischen Politiker hatte Maliki einen Haftbefehl wegen Terrorismusverdachts ausstellen lassen. Hashimi flüchtete ins Kurdengebiet - und vor wenigen Tagen reiste er nach Katar aus. "Jene Länder, die sich heute in die internen Angelegenheiten Syriens mischen, mischen sich auch in die internen Angelegenheiten anderer Länder", sagte Maliki.

Nicht nur mit den Sunniten, auch mit seinen Kurden steht Maliki auf Kriegsfuß, und das nicht nur, weil sie Hashimi gehen und kommen lassen. Zwischen Bagdad und der Kurdischen Regionalregierung in Erbil droht der Ölstreit zu eskalieren. Erbil hat alle Ölexporte eingestellt, weil Bagdad Erbil - beziehungsweise in der Region arbeitenden ausländischen Ölfirmen - 1,5 Mrd. US-Dollar schulde. Bagdad bezichtigt nun Erbil, Öl heimlich ins Ausland zu verkaufen, auch über die iranische Grenze. Der Irak hat neun Jahre nach dem Sturz von Saddam Hussein noch immer kein nationales Ölgesetz.

Irans verzichtbares Öl

Im Iran fordert Expräsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani die Führung zur Verbesserung der Beziehungen zu Saudi-Arabien auf. Der Westen könne sich einen Boykott iranischen Öls nur leisten, weil Saudi-Arabien einspringe, schrieb er in einem Artikel. US-Präsident Barack Obama hatte am Freitag weitere Sanktionen gegen Teheran angekündigt: Die Welt brauche das iranische Öl nicht. Wenn Riad seine Opec-Quoten nicht erhöhen würde, bräche das ganze Sanktionsschema des Westens gegen den Iran zusammen, schreibt Rafsanjani folgerichtig. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 4.4.2012)