Abgeordneter: Atomprogramm nicht zu stoppen

4. April 2012, 13:27

Alaeddin Boroujerdi, Vorsitzender des Außen- und Sicherheitspolitischen Ausschusses des Parlaments: "Der Iran ist jetzt Mitglied im Welt-Atomclub"

Dubai - Das iranische Atomprogramm wird nach den Worten eines hochrangigen Parlamentsabgeordneten niemals zu stoppen sein. Der Iran sei heute in einer Situation, in der er das nukleare Know How beherrsche. Die USA und andere westliche Länder würden früher oder später die "nuklearen Realitäten der Islamischen Republik anerkennen", sagte der Vorsitzende des Außen- und Sicherheitspolitischen Ausschusses des iranischen Parlaments, Alaeddin Boroujerdi, gegenüber der Nachrichtenagentur ISNA.

Boroujerdi kritisierte jüngste Ankündigungen von US-Präsident Barack Obama, wonach die Sanktionen gegen den iranischen Ölexport und die iranische Zentralbank weiter verschärft werden sollen. Diese Erklärungen dienten lediglich Wahlkampfzwecken, meinte der Abgeordnete. Zugleich wies er Berichte zurück, wonach der Iran seine Uran-Anreicherung zurückgefahren habe. "Der Iran ist jetzt Mitglied im Welt-Atomclub", betonte Boroujerdi.

Unterdessen berichtete die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA unter Berufung auf eine "informierte Quelle", dass die kommenden Atomgespräche zwischen dem Iran und den Fünf plus Eins (UN-Vetomächte und Deutschland) auch in Syrien stattfinden könnten. Nach Ansicht von sicherheitspolitischen Experten und in Hinblick auf die "akzeptable sicherheitspolitische Situation im Land" sei Syrien bereit, als Gastgeber für diese Gespräche zu fungieren, sagte die "anonyme Quelle".

Der Iran ist mit dem Regime in Damaskus eng verbündet, gegen das seit mehr als einem Jahr ein blutiger Aufstand im Gange ist. Nach Schätzungen der UNO wurden dabei mehr als 9000 Menschen getötet. Es ist daher unwahrscheinlich, dass die Fünf-plus-Eins-Gruppe sich gerade in Syrien über das heikle Atom-Thema mit dem Iran an einen Tisch setzen wird. Voraussichtlich werden die Gespräche am 13. und 14. April in Istanbul stattfinden.

Revolutionsgarden drohen mit Gegenschlag

Die iranischen Revolutionsgarden haben den USA mit einem Gegenschlag gedroht, sollte es von dort aus einen Angriff auf den Iran geben. "In diesem Fall werden wir nicht im Rahmen des Nahen Ostens oder des Persischen Golfs bleiben - kein Ort in Amerika wird sicher vor unseren Attacken sein", sagte ein ungenannter, hochrangiger Kommandant der Revolutionsgarde laut der offiziellen Regierungszeitung "Iran". Der Iran werde nicht das erste Land sein, das angreift.

In den vergangenen Wochen hatte es erneut Spannungen zwischen dem Iran sowie den USA und Israel wegen dem umstrittenen Atomprogramm der Islamischen Republik gegeben. Israel drohte wiederholt mit einem Angriff auf den Iran, sollte dieser sein mutmaßliches Projekt zum Bau von Atomwaffen nicht stoppen. Die USA, ein traditioneller Verbündeter Israels, gilt als unentschlossen über einen Präventivschlag gegen den Iran. In israelischen Medien war darum darüber spekuliert worden, die Regierung von Premier Benjamin Netanyahu werde versuchen, die USA in einen Krieg gegen den Iran hineinzuziehen. (APA/Reuters, 03.04.2012)

Iran

mehr