George W. Bush im politischen Exil

5. April 2012, 06:15
Auch nach der Unterstützung seines Bruders und Vaters für Romney glänzt der 43. US-Präsident durch Abwesenheit

Als Mitt Romney in Texas vor laufender Kamera die Unterstützungserklärung von George H. W. Bush und seiner Frau Barbara erhielt, stand, wie man im Englischen sagt, ein Elefant im Raum. Unübersehbar. Wenn er doch gerade durch Texas reise, setzte ein Journalist an, werde er dann bei George Bush vorbeischauen? "Wissen Sie", stammelte Romney, "ich habe Ihn nicht getroffen. Wir hören uns ab und zu." Irgendwo zwischen Reporterfragen und dem Klicken der Kamera fragt Bush senior leise nach: "Hat er dir die Unterstützung zugesagt?" Romney bleibt nicht mehr als ein "Uh, nein. Nein." Bush dreht den Kopf zu Barbara, die zustimmend nickt, während sie sagt: "Wir werden noch darüber reden." In Ordnung, sagt Romney, deutet auf die Wand hinter Barbara und wechselt das Thema: "Ich liebe dieses Bild dort hinten!" Da ist er wieder, der Elefant.

Bush senior unterstützt Romney; Quelle: Youtube

Die letzten Siege Romneys waren deutliche Siege, die Vorwahlen sind aller Voraussicht nach gelaufen. Während nach Vater George H. W. mit Bruder Jeb bereits der zweite Bush Romney seine Unterstützung zugesagt hat, hat sich George W. ins politische Exil verabschiedet.

Er habe "im Frieden mit der Politik abgeschlossen", sagt sein einstiger Berater Mark McKinnon gegenüber der US-Tageszeitung Politico. "Er genießt sein Leben in Texas und hatte bisher nicht vor, irgendjemandem seine Unterstützung zuzusagen", wird ein ehemaliger Sprecher anonym zitiert. "Er hat kein Bedürfnis mehr, im Rampenlicht zu stehen. Außerdem konzentriert er sich momentan voll und ganz auf das Bush Center", sagt ein anderer ehemaliger, anonymer Mitarbeiter zu Politico. "Glauben Sie mir, viele Kandidaten würden liebend gerne von ihm unterstützt werden", sagt Mike Leavitt, ehemaliger Gouverneur von Utah und Gesundheitsminister in der Bush-Ära. Die Entscheidung, sich nach der Präsidentschaft nicht in die Politik einzumischen, habe Bush schon während seiner Amtszeit getroffen: "Da stecken keine strategischen Tricks dahinter, das ist 'vintage George W. Bush', der eine Entscheidung getroffen hat", sagt Leavitt.

"Bush hat die Partei ausgehöhlt"

Es gibt auch andere Begründungen: Die Republikaner halten George W. Bush mit Absicht auf Distanz. Nicht Bush habe das Politik-Kapitel, sondern die Partei das Bush-Kapitel zugeschlagen. Denn der 43. Präsident der Vereinigten Staaten hat seinem Nachfolger einen Riesenhaufen Probleme vererbt. Der Krieg in Afghanistan verliert stetig an Unterstützung in der Bevölkerung. 40 Prozent der Amerikaner machen laut der aktuellsten Umfrage Bush für die wirtschaftliche Misere im Land verantwortlich. Die Tea Party und mit ihr der aggressive Ton hätten durch Bush Einzug ins politische Leben gehalten. Eine Unterstützung George Bushs könnte mehr Schaden anrichten, als sie Gutes bewirken könnte, schreibt Politico. Flankenhilfe durch George W. könnte durchaus einen Schuss ins Knie bedeuten - auch wenn das niemand offiziell ausspricht, schreibt Politico.

Der Grund liege in der vergangenen Präsidentschaftswahl 2008: "In Wirklichkeit hat Obama damals Bush geschlagen, nicht McCain", sagt ein anonym zitierter, hochrangiger Vertreter der Grand Old Party. "In den Augen der Republikaner hat Bush die Partei ausgehöhlt. Sie konnten damit nicht mehr reklamieren, der Erwachsene in der politischen Szene zu sein, der die Verantwortung für ein ausgeglichenes Budget übernehmen kann." Die Kriege im Irak und in Afghanistan hätten das Image noch stärker ramponiert.

Als Bush junior Romney noch unterstützt hat; Quelle: Youtube

Umfrage zu Unterstützungserklärungen

Dabei hätte eine Unterstützungserklärung Bushs einen wesentlichen Einfluss auf das Wahlverhalten der republikanischen Wählerschaft. Eine Umfrage von Mitte Jänner, die den Einfluss von prominenten Republikanern - George W. Bush, Sarah Palin, John McCain, Donald Trump, Herman Cain und Michele Bachmann -, des jeweiligen Religionsvertreters oder Gouverneurs aufzeigen soll, belegte: 28 Prozent würden einen Kandidaten eher wählen, wenn Bush ihn offiziell unterstützt. Gefolgt wird er mit 23 Prozent von Alaskas Ex-Gouverneurin Palin. Die beiden können auch den geringsten negativen Einfluss für sich verzeichnen: Elf Prozent würden einen Kandidaten nicht unterstützen, wenn Bush sich an seine Seite stellen würde. 15 Prozent, wenn Palin Stellung bezieht.

Die ehemalige First Lady Barbara Bush bezeichnete Anfang Mai die Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl als "den schlimmsten Wahlkampf, den ich in meinem Leben jemals gesehen habe". "Ich hasse es, dass Leute denken, ein Kompromiss sei ein Schimpfwort - ein Kompromiss ist kein Schimpfwort!" (fin, derStandard.at, 4.4.2012)

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