Bund deckt ÖVAG-Milliardenverlust ab

5. April 2012, 13:31
Tumpel-Gugerell für Volksbanken-Präsidium nominiert

Wien - Mit der Teilverstaatlichung der Volksbanken AG (ÖVAG) geht in knapp drei Wochen ein Austausch der Aufseher einher. Da die Ex-EZB-Direktorin und amtierende Aufsichtsrätin der Banken-ÖIAG Fimbag, Gertrude Tumpel-Gugerell, jetzt dezidiert zur Wahl für den ÖVAG-Aufsichtsrat nominiert ist, wird sie ins Bankpräsidium einziehen - als Bankpräsidentin.

In der Hauptversammlung der ÖVAG am 26. April gibt es den erlösenden Kapitalschnitt. Vor diesem Schnitt lag der Verlust der ÖVAG (AG) für 2011 bei 1,345 Mrd. Euro. Danach schmilzt er auf 53,5 Mio. Euro zusammen, wie heute bekannt gegeben wurde.

Hoher Preis

Der Preis ist hoch: Die Kapitalherabsetzung um 70 Prozent heißt, dass neben allen anderen Kapitalinstrumenten 700 Millionen der 1 Mrd. Euro Staats-Kapital weg sind, die seit 2009 in der ÖVAG liegen. Der Bund muss die Problembank jetzt auch rekapitalisieren helfen und übernimmt dazu mehr als 40 Prozent der Anteile über eine Kapitalerhöhung.

Verwaltet werden Staatsanteile an Banken in Österreich von der Fimbag. Die regionalen Volksbanken bleiben in der ÖVAG-Mehrheit. Sie werden zu umfassenden Haftungsverträgen herangezogen.

Mit dem Staatseinstieg sind auch grundlegende Rochaden in der Bankführung verbunden. Der bisherige Aufsichtsratschef, Volksbanken-Verbandsanwalt Hans Hofinger, verlässt den ÖVAG-Aufsichtsrat. Ebenso eine Reihe anderer bisheriger Räte.

Neuer Vorstandschef

Der Bund setzt Ende April auch einen neuen Vorstandschef ans Ruder. Als Wunschkandidat von VP-Finanzministerin Maria Fekter gilt dafür Stephan Koren. Um ihn rankten sich zuletzt aber auch wieder Gerüchte um einen Wechsel in die Notenbank. Das Mandat des glücklosen bisherigen ÖVAG-Chefs Gerald Wenzel läuft Ende April ohnedies von selber aus.

Vom Bund für die Wahl der Aufsichtsräte in der Hauptversammlung nominiert sind nach APA-Informationen vom Donnerstag neben Tumpel-Gugerell auch Klaus Kumpfmüller (Bundesfinanzierungsagentur), Hans Jörg Schelling (Wirtschaftksammer-Vize, Chef des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger) und der frühere Bank Austria Vorstand Franz Zwickl.

Von den Mehrheitseigentümern als Aufsichtsräte nominiert sind folgende Volksbanken-Manager: Richard Ecker (Schärding), Markus Hörmann (Tirol Innsbruck-Schwaz), Rainer Kuhnle (Krems, Zwettl), Josef Preissl (Wien) und Edwin Reiter (Oberkärnten). Reiter und Kuhnle waren jetzt schon im Aufsichtsrat.

Die Zahl der Aufsichtsräte (Kapitalvertreter) in der ÖVAG wird jetzt um ein Drittel reduziert, hieß es heute weiter.

Rekordverlust von 1,345 Milliarden

Für die ÖVAG hat das Jahr 2011 mit einem Rekordverlust von 1,345 Mrd. Euro geendet, der freilich nicht mehr überraschend kam. In der Konzernbilanz meldete die ÖVAG am Donnerstag - ebenfalls vorläufig - einen Nettoverlust von 959 Mio. Euro. Grund für die tiefen Löcher in der Bilanz sind teure Wertberichtigungen auf Töchter und Ostbanken, aber auch Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen.

Die Vorsorgen auf Länderrisiken beliefen sich auf insgesamt 337 Mio. Euro - davon waren allein 160 Millionen Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen.

Vor allem aber Beteiligungs-Abwertungen waren teuer, sie lasten mit 880,5 Mio. Euro auf der Bilanz. Darunter die Totalabschreibung der Beteiligung auf die (nicht an die russische Sberbank verkaufte) Volksbank Rumänien (299 Mio. Euro). Auch der heuer zu Jahresbeginn durchgezogene Verkauf der Volksbank International (VBI, alle Ostbanken außer Rumänien) an die Russen endete unterm Strich mit einem Verlust von 160 Mio. Euro für die ÖVAG-Bilanz 2011. Rund 142,5 Mio. Euro musste die ÖVAG schließlich als Partizipationskapital-Zeichnerin ihrer früheren Tochter Kommunalkredit in den Wind schreiben.

Die Kommunalkredit gehört schon seit Ende 2008 dem Staat. 2009 wurde sie zweigeteilt, in eine fortzuführende Kernbank und in eine Abbaubank (Bad Bank/KA Finanz). In der KA Finanz wird im übrigen einen Tag vor der ÖVAG, schon am 25. April, ein Kapitalschnitt zum Verlustabbau durchgezogen. Diese Bank ist Österreichs größte Gläubigerin in Griechenlands-Papieren und muss hier mit Hilfe des österreichischen Staates dementsprechend wertberichtigen. (APA, 5.4.2012)