Das Gesetz des Karfreitags

Michael Simoner
5. April 2012, 17:48
Bestimmte Veranstaltungen verboten, Kärnten hat die strengsten Regelungen

Wien - Mit dem Karfreitag startet heute das sogenannte Triduum Sacrum, die österliche Dreitagesfeier, die in christlichen Religionen der Höhepunkt des Kirchenjahres ist. Ein gesetzlicher Feiertag ist der Karfreitag, an dem Gläubige der Kreuzigung und dem Tod Jesu Christi gedenken (der althochdeutsche Begriff "kara" bedeutet Trauer oder Klage), zwar in Österreich nicht. Doch Kirche und Staat kommen einander an diesem Tag so nahe, wie sonst nur noch am 24. Dezember, das öffentliche Leben wird sogar per Gesetz eingeschränkt.

Fast alle Bundesländer haben in ihren Veranstaltungsgesetzen einen Passus, wonach am Karfreitag keine Veranstaltungen abgehalten werden dürfen, die "den Charakter dieses Tages stören oder die religiösen Gefühle der Bevölkerung stören", wie es etwa im Salzburger Landesgesetz heißt. Nur in Vorarlberg und in Oberösterreich ist der Karfreitag nicht mehr gesondert erwähnt. Dafür galt ob der Enns bis 2008 noch ein Gesetz über die Vorführung von Laufbildern mit einem verpflichtendem Schließtag für Kinos am Karfreitag. Daran hielten sich aber schon vor Einführung des neuen Veranstaltungssicherheitsgesetzes nur mehr kleine Kinos.

Die strengste Karfreitagsregelung hat Kärnten, wo unerwünschte Veranstaltungen bis zum Karsamstag um 14 Uhr verboten sind. Was, wie der Standard berichtete, den heimischen Eishockeyverband in die Bredouille brachte, weil ausgerechnet für heute in Villach ein Match gegen Weißrussland angesetzt ist.

Strafandrohung: 7260 Euro

Als Notlösung und zur Vermeidung einer drohenden Strafe von 7260 Euro soll das Spiel der Euro Hockey Challenge unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Dass das Match auch noch vom ORF live im TV übertragen wird, stellt für den Landesjuristen Albert Kreiner kein Problem dar, "weil ein Veranstaltungsbesuch ja eine physische Anwesenheit bedingt".

Interessant ist auch die großzügige Oster-Auslegung der Schifffahrt auf dem Wörthersee. Schon ab Karfreitag werden Ausfahrten samt lustiger Ostereiersuche für Kinder angeboten.

Tanzverbot in Deutschland

Einen traditionellen Schließtag am Karfreitag haben auch die meisten Bühnen des Landes. So bleiben unter anderem die Opernhäuser in Wien und in Graz, das Burgtheater und die Wiener Volksoper geschlossen. "Das war schon immer so", heißt es auf Anfrage bei der Bundestheater-Holding. Was aber nicht bedeutet, dass auch alle 2500 Mitarbeiter der Holding frei haben. Ein Recht auf einen arbeitsfreien Karfreitag haben in Österreich nur evangelische Christen, Altkatholiken und Methodisten.

Theater müssen aber keine Pause einlegen. Es sollte nur darauf geachtet werden, dass Veranstaltungen "der Bedeutung des Karfreitags nicht abträglich sind", wie es das Wiener Gesetz vorschreibt. Demzufolge hält beispielsweise das Kabarett Simpl offen, um in der Revue "Unter dem Teppich" ein "Zipfelchen zu lüpfen".

In Deutschland, wo der Karfreitag ein geseztlicher Feiertag ist, gilt in allen Bundesländern ein generelles Tanzverbot. Es ist mittlerweile aber genauso umstritten wie die Karfreitags-Schweigeminute, die ORF 2 um 15 Uhr einlegt.(Michael Simoner, DER STANDARD, 6.4.2012)

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