Zähe Erfindung der Ehefrau

6. April 2012, 17:37
Das Volkstheater hat mit der "Kaktusblüte" in die Klamottenkiste gegriffen

Auf der Suche nach Stücken für Reisen durch die Außenbezirke hat das Volkstheater in die Klamottenkiste gegriffen. Mit der Kaktusblüte hat man einen Boulevardklassiker gefunden, der global gute Dienste geleistet hat, nun aber ein wenig welk wirkt:

Julien dichtet sich darin für seine Geliebte Antoinette Ehefrau und Kinder an. So soll das Techtelmechtel spannend-unverbindlich bleiben. Als er die Beziehung jedoch amtlich machen möchte, besteht Antoinette auf eine einvernehmliche Scheidung - und auf ein Treffen mit der erfundenen Gattin. Julien überredet seine Sprechstundenhilfe Stephanie, jenen Part zu übernehmen.

Was folgt, ist die übliche Verkettung von Lügengeschichten und die Verwandlung der reservierten Stephanie in eine Tanzmaus, die auch gegen eine lustige Zigarette nichts einzuwenden hat. Als Golden Girl der trockenen Sorte hat Doris Weiner alle Sympathien, sie kann jedoch nicht verhindern, dass das von Andy Hallwaxx inszenierte Stück langsam in die Gänge kommt.

Pippa Galli verleiht Antoinettes Betulichkeit durch naives Spiel Nervigkeit, macht mit ihrem jugendlichen Elan indes auch klar, dass in diesem Swinging Paris, Frauen das Sagen haben. Stephan Schill bleibt als Heiratsmuffel Julien farblos, während der in mehreren Nebenrollen besetzte Reinhold G. Moritz besonders in den vielen kurzen Umbaupausen den Clown gibt.

Freudige Aufnahme durch das Publikum; auch gegen Ende hin bei den doch noch für Schwung sorgenden Tanzeinlagen von Stephanie. Bis dahin ist es leider ein weiter Weg und die Wüste, wo die Kakteen blühen, mitunter recht ödes Land. (wall, DER STANDARD, 7./8./9.4.2012)

 

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