Beislsterben in Deutschland

8. April 2012, 16:11

Seit 2001 musste in Deutschland jede vierte Gaststätte schließen, in Berlin hat sich die Zahl hingegen verdoppelt

Berlin - Seit 2001 musste in Deutschland einem Pressebericht zufolge jede vierte Gaststätte schließen. Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Zahlen des Deutschen Statistischen Bundesamtes und eigene Berechnungen berichtete, sank deutschlandweit die Zahl der Schankwirtschaften zwischen 2001 und 2010 von knapp 48.000 auf 36.000. Besonders stark betroffen waren demnach die Länder Hamburg mit einem Minus von 48 Prozent und Niedersachsen mit einem Rückgang von 41 Prozent. Lediglich in Baden-Württemberg und Berlin stieg die Zahl der Kneipen - in der Hauptstadt allerdings um fast 96 Prozent.

Wirtshauslose Gemeinden

"Mit dem Wirtshaus verschwindet eine Einrichtung mit hohem sozialen und kulturellen Stellenwert aus den Gemeinden", warnte Florian Kohnle von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. In rund 500 von 2.200 bayerischen Gemeinden gebe es mittlerweile überhaupt keine Gaststätte mehr. Als Ursachen nannte Kohnle den Bevölkerungsrückgang auf dem Land, den Zuwachs an Mobilität, Veränderungen von Arbeitswelt und Freizeitverhalten und die Konkurrenz durch Vereinsheime.

Wettbewerbsverzerrung durch Vereine

Die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands, Ingrid Hartges, beklagte eine Verzerrung des Wettbewerbs durch die Vereinsheime. In vielen Vereinsheimen herrsche inzwischen ein beinahe professioneller Barbetrieb - unversteuert und ohne behördliche Auflagen. "Wo es einen laufenden gastronomischen Betrieb in festen Räumlichkeiten gibt, sollen die Vereine bitte auch eine Konzession beantragen", forderte Hartges in der "Welt am Sonntag". (Reuters, 8.4.2012)

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