Deutschland: Piraten überholen erstmals Grüne in Umfrage

10. April 2012, 14:32
Piratenpartei mit 13 Prozent drittstärkste Kraft

Die Piraten haben erstmals die Grünen in einer bundesweiten Umfrage überholt. Nach einer am Dienstag vollständig veröffentlichten Forsa-Umfrage für den Sender RTL und das Magazin "Stern" kam die Piratenpartei auf 13 Prozent und wäre damit drittstärkste Kraft hinter Union und SPD bei einer Bundestagswahl. Während die Piraten im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt auf 13 Prozent zulegten, gaben die Grünen zwei Punkte ab auf elf Prozent. Die CSU sieht in diesen Zahlen einen Beleg dafür, dass die Piratenpartei die Grünen dauerhaft überrundet.

Tief

Die FDP scheint sich nach der Erhebung aus ihrem Tief herauszuarbeiten. Die Freidemokraten legten zwei Punkte zu und kamen erstmals seit Monaten auf fünf Prozent. Damit hätten sie die Chance, wieder in den Bundestag einzuziehen, wenn am Sonntag Wahl wäre.

Die Union kam nach der Umfrage auf 36 Prozent (plus ein Punkt), die SPD auf 24 Prozent (minus ein Punkt). Die Linkspartei verlor einen Punkt und erhielt acht Prozent. Damit führte die schwarz-gelbe Koalition mit 41 Prozent deutlich vor den Wunschpartnern Rot-Grün mit 35 Prozent. Keines der beiden Lager schaffte also aus eigener Kraft eine Regierungsmehrheit.

Mit den Umfrageergebnissen setzt sich der rasante Aufstieg der Piratenpartei fort, nachdem sie bei der Saar-Wahl aus dem Stand 7,4 Prozent erhielten und in den Landtag einzogen. Die Grünen, deren Aufstieg mit dem Sieg bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2011 einen Höhepunkt erreichte, liegen wieder bei Werten wie bei der Bundestagswahl 2009.

Protest

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sieht in der Entwicklung eine grundlegende Machtverschiebung. "Die Piraten lösen die Grünen als Protestpartei ab", sagte er der Zeitung "Die Welt". Zu einer ähnlichen Diagnose kommt Forsa-Chef Manfred Güllner. "Für viele Jugendliche sind die Grünen eine altbackene und eine alt gewordene Partei", sagte er zu RTL.

Die mögliche Renaissance der FDP erklärte Güllner mit dem strikten Nein der Freidemokraten zu staatlichen Hilfen für die Drogeriekette Schlecker. Damit hätten Mittelständler wieder das Gefühl, die FDP stehe auf ihrer Seite. Zudem komme der FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, beim Wähler gut an. "Bei Lindner sagen die Leute: Aha, da ist ja doch noch jemand, der die FDP so aufstellt, wie ich es mir wünsche", erklärte Güllner.

Forsa befragte für die repräsentative Erhebung 2007 Bundesbürger im Zeitraum von 2. bis 4. April. (Reuters)

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