, Christoph Winder

Luft nach oben

Außer bei eindeutigen Luftnummern: Es gibt immer Raum für Verbesserungen und Kursgewinne.

Die Luft ist immer für ein paar nette Redensarterln gut. Ich zitiere wahllos nach dem guten alten Röhrich ("Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten"): Es liegt in der Luft; die Luft ist rein; dicke Luft; ihm geht die Luft aus; Halt die Luft an; in die Luft fliegen, in die Luft sprengen, gesiebte Luft atmen, jemanden wie Luft behandeln usw. usf. Viel jüngeren Datums ist und häufig, ja nach meinem Empfinden fast schon inflationär verwendet wird die Redewendung, da oder dort sei noch "Luft nach oben". Damit gemeint ist, dass eine Leistung auf eine noch nicht völlig zufriedenstellende Art erbracht werde, dass Verbesserungsbedarf bestehe. Auch von Aktien wird gerne gesagt, dass "noch Luft nach oben" sei, d.h. dass sich der Kurs der Papiere nach oben hin entwickeln werde (die p.t. Aktionäre sollten freilich auf der Hut sein, dass sich die Aktien nicht als Luftnummern entpuppen!)

Hier ein paar aus dem Internetz gefischte Luft-nach-oben- Exemplare: "In knapp einem Jahr habe ich schon sehr viel erlebt und unglaublich viel gelernt. Luft nach oben und Verbesserungsmöglichkeiten gibt es immer" (der Fußballspieler Tim Knipping) "Schweine weiter Luft nach oben!!!!! Hallo! Wie man auch diese Woche sieht sind Mastschweine gefragt!" (Website www.landwirt.com); der Bundesverband der deutschen Verbraucherzentralen titelt "Verbraucherpolitik: Populäres Handlungsfeld mit Luft nach oben" usw. usf. Unter diesem Wörterbucheintrag findet die p.t. Leserschaft viel Luft nach unten – ich hoffe darauf, dass sie das Vakuum durch ein paar dezente Postings auffüllt. Wenn es an Inspiration mangeln sollte: Einfach einem Weinglas die Luft auslassen, kräftig inhalieren, und schon flutscht es doppelt so gut.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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