Pfarrer zeichnete Homosexuellen-Order des Kardinals auf

Andrea Heigl, Markus Rohrhofer
10. April 2012, 18:01
Mit dem illegalen Mitschnitt eines Telefonats versucht der Ortspfarrer von Stützenhofen jetzt Kardinal Schönborn unter Druck zu setzen

Wien - "Es gibt Gesprächsbedarf." Michael Prüller, Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn, findet klare Worte. Konkret ist für kommende Woche ein brisantes Treffen im erzbischöflichen Palais angesetzt. Aufeinandertreffen werden dabei Schönborn, Generalvikar Nikolaus Krasa und Gerhard Swierzek, Pfarrer von Stützenhofen. Inhaltlich geht es einmal mehr um den klerikalen Krisenherd im Weinviertel. Dass der schwule Pfarrgemeinderat Florian Stangl mit dem Segen des Kardinals doch ins Amt darf, hat ja den konservativen Ortspfarrer so sehr erregt, dass dieser jetzt plant, seinen Talar an den Nagel zu hängen.

Thematisiert werden auch heikle Telefongespräche. So soll, berichtete das Bezirksblatt, Pfarrer Swierzek ein Telefonat mit Schönborn aufgezeichnet haben, in dem der Kardinal dem Weinviertler Gottesmann unmissverständlich klar machte, dass "das" mit Florian Stangl "nicht sein dürfe" und er (Pfarrer Swiercek) alles daransetzen müsse, den Kandidaten vom Stimmzettel "verschwinden" zu lassen. Zumindest verkündete dies Gerhard Wolfram, stellvertretender Pfarrgemeinderatsobmann in Stützenhofen, zum Erstauen der Kirchenbesucher während der Palmsonntagsmesse am 1. April.

Wolfram trat ans Rednerpult und verlas eine Stellungnahme. "Er hat dabei unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass Pfarrer Swierzek bei der beabsichtigten Wahlverhinderung Florian Stangls als Pfarrgemeinderat ausschließlich im Auftrag des Kardinals gehandelt habe. Er verwies dabei konkret auf das auf Tonband aufgezeichnete Telefongespräch zwischen dem Pfarrer und dem Kardinal. Und er merkte an, dass er (Wolfram) selbst die Aufzeichnung des Telefonats gehört habe", schildert Franz Schuster - Ohrenzeuge und Wahlleiter der Stützenhofener Pfarrgemeinderatswahl - dem Standard. Weder Swierzek noch Wolfram waren am Dienstag zu einer Stellungnahme bereit.

"Mehrere Gespräche"

Im Büro von Kardinal Schönborn bestätigt man auf Nachfrage die Telefonate mit dem Stützenhofener Pfarrer. Prüller: "Da hat es mehrere Gespräche gegeben. Aber nach dem Gespräch mit Florian Stangl hat der Kardinal seine Meinung geändert."

Eigentlich ist die Weitergabe von Tonaufnahmen an Dritte ohne Einwilligung des Gesprächspartners illegal, allerdings muss es der Betroffene anzeigen - was Schönborn nicht machen wird. Die Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, Veronika Prüller-Jagenteufel, ist indes "überrascht" vom Rückzug des Stützenhofener Pfarrers. Bis zum Palmsonntag hätte er die Pfarrgemeinderatswahl beeinspruchen können, was er aber unterließ. Grundsätzlich sei das Engagement eines Schwulen in diesem Gremium "ein spannendes Feld, in dem wir erst lernen müssen, uns zu bewegen". Man müsse "an den kirchlichen Idealen gescheiterte Menschen trotzdem ernst nehmen", meint Prüller-Jagenteufel.

Johannes Pesl, der das entsprechende Referat im Pastoralamt leitet, sagt, Pfarrgemeinderäte müssten dem Pfarrer auch in seelsorglichen Fragen zur Seite stehen - da sei eine bunte Mischung und an Menschen nur "von Vorteil". Es hänge "von den Fähigkeiten des Pfarrers ab, verschiedene Menschen zu integrieren", meint Pesl.

"Schlanker Brief" nach Rom

In einem anderen niederösterreichischen Ort bereitet man sich auf einen möglichen Papstbesuch vor. Helmut Schüller, Pfarrer von Probstdorf und Sprecher der Pfarrerinitiative, sieht gute Chancen auf einen Gesprächstermin beim Pontifex. Schüller: "Wir arbeiten einen schön schlanken Brief aus, der nach Rom geht." Papst Benedikt XVI. hat in seiner Predigt am Gründonnerstag Bezug auf die österreichische Reformbewegung genommen. (Andrea Heigl/Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 11.4.2012)

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