Fett und viel

15. Oktober 2009, 17:00
Dieses ist eine Ode an die Maßlosigkeit, der man sich gelegentlich einfach hingeben sollte, rät Ute Woltron

Ein wirklich gut angelegtes Staudenbeet ist der Inbegriff gärtnerischer Üppigkeit. Doch damit diese botanische Orgie so recht in Schwung kommt, bedarf es ganz vieler Zutaten:

Ein ordentliches Staudenbeet blüht von Vorfrühling bis Herbst stets an mehreren Stellen. Es ist mit unterschiedlichen Pflanzenhöhen ideal gestaffelt, sodass die Hohen die Niedrigen nicht verdecken. Es sind die Farben der jeweils blühenden Pflanzen in gekonnten Nuancen in jeweils saisonalen Dramaturgien aufeinander abgestimmt. Gegebenenfalls duftet auch ständig irgendetwas.

Kräftigere Pflanzen stehen strategisch zwischen filigraneren, damit die Angelegenheit insgesamt die rechte Stütze und den erforderlichen Halt bekommt, um auch kräftigeren Winden und Güssen zu trotzen. Selbst die Blattformen und -farben sollten miteinander in, wie man so schön geschwollen daherreden kann, interessanten Spannungsverhältnissen stehen.

Kurzum: Ein Staudenbeet anzulegen ist die Hohe Schule der Blumengärtnerei und kann etwas sehr Lustvolles sein. Es erfordert allerdings Wissen und Planungsaufwand. Und nicht zuletzt, je nach Größe der zu bepflanzenden Fläche auch ein gewisses Budget - weil hier dringend aus dem Vollen geschöpft werden muss. Der Staudengärtner denkt in Flächen, nicht in Pflänzchen, und damit später die rechte Üppigkeit wogen möge, müssen von den meisten Pflanzen mehrere bis viele in adretten Gruppen gepflanzt werden.

Gärtnerische Laienkarriere

Mickrigkeit hat im Staudenbeet nichts verloren, hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Schon allein daran mag mancher scheitern. Ich zum Beispiel.

Doch im heurigen Frühjahr kam einer der herrlichsten Momente meiner gärtnerischen Laienkarriere über mich, denn ein Mal durfte ich tatsächlich beglückt aus dem Vollen schöpfen: Ein in Auflösung begriffenes Staudenbeet im Hof einer gar nicht üblen historischen Architektur des Weinviertels durfte nach brauchbaren Pflanzen überprüft und abgeerntet werden.

Was soll man sagen, nur wenig ließ ich stehen, und auch das lediglich aus Gründen des Anstandes. Ein hilfloser Versuch, die Gier zu kaschieren. Da man allerdings nicht immer alle Pflanzen in den frühen Stadien ihrer Blattbildung erkennt, vor allem aber nicht die unterschiedlichen Sorten und deren Höhen, war das sogleich zu Hause angelegte, gut und gerne 50 Quadratmeter große Staudenbeet gewissermaßen eine intuitive Herausforderung.

Das Resultat war gar nicht so übel: Bis auf ein paar riesengroße Ausreißer in den vorderen Zonen und einige wenige wirklich abscheuliche Rosa-Gelb-Kombinationen erwies sich die Sache als dauerblühende Augen- und Insektenweide.

Jetzt im Herbst ist die Zeit für Korrekturen und Umpositionierungen. Noch weiß man ja, was wie gewachsen ist und geblüht hat. Sollten Sie sich jetzt die Frage stellen, wie unsere fesche Illustration zu dieser Geschichte passt, lassen Sie bitte Ihr Auge nach rechts auf den Tipp schweifen. Dort steht's nachzulesen. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/16/10/2009)

Tipp

Was hier abgebildet ist, kann viele Fragen, die Sie sich jetzt nägelkauend stellen, im Handumdrehen lösen: Es handelt sich um die neue Staudenscheibe der Umweltberatung, und die ist hier erhältlich: www.umweltberatung.at. Sie sagt uns ambitionierten Laien genau, was wann wie blüht, wie hoch die Pflanzen werden, welchen Standort sie überhaupt brauchen und welche Kombinationen Sinn machen. Diese Scheibe ist eine großartige Erfindung. Die Umweltberatung hat gleich mehrere von ihnen zu den verschiedensten Themen. Der Preis: wohlfeile EURO 4,50.

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