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Gute Aussichten

17. Jänner 2010, 17:10
Schöner trinken empfiehlt Luzia Schrampf für 2010

Von Vorhaben, die am Silvesterabend und zu Neujahr gefasst wurden, sind schon am 15. Jänner meist nur noch Rudimente vorhanden. Zur Auffrischung der Erinnerung gibt es hier noch ein paar Ideen zum Thema "Trinken 2010".

Aufhören, wenn der Duliöh einsetzt: Es reicht völlig, sich kurze Zeit das Schädelweh in Erinnerung zu rufen, das einem den Tag nach dem letzten Alkoholmissbrauch zur Hölle auf Erden machte.

Sich verwegen darauf einlassen, einmal etwas ganz anderes zu probieren: Im Sinne eines aufrichtigen Hedonismus bringt das positive Überraschungen und erweitert den geschmacklichen Horizont. Die Rückkehr zu Altbewährtem ist keinesfalls ausgeschlossen.

Portwein nicht nur zum Einkochen von Bratensaft oder in der Sauce Cumberland verwenden: Tawny Port schmeckt nach allen möglichen Nüssen dieser Erde. Feinspitze dürfen dann diskutieren, ob sie Mandeln oder geröstete Haselnüsse herausschmecken. Ruby Ports mit Vintage als Qualitätsspitze vermitteln dagegen einen schönen Schwarzwälderkirschtorten-Effekt: wie Schoko mit Fruchtauflage, aber viel spannender.

Schmeckt wie Jodtinktur

Endlich Sherry! Der aufgespritete Wein aus Südspanien ist ein gottvolles Getränk in vielen Varianten: Als feingliedriger, salziger Manzanilla, als hefiger Fino oder als trockener Amontillado passt er hervorragend zu Sushi und anderem Meeresgetier. Nicht übersehen sollte man den rätselhaften Palo Cortado oder den feschen Oloroso, der zuweilen wie Jodtinktur schmeckt, aber selbst in dieser Form Freunde findet. Weißer Port kann in der trockenen Variante solo oder mit Tonic sehr gut sein. Und wenn etwas wie Motoröl aus der Flasche rinnt und über Vanilleeis gegossen wird, heißt es Pedro Ximénez und ist ein köstliches Dessert. Man muss sie nicht mögen, aber davor probieren kann man sie trotzdem.

Cocktails sind wieder im Kommen und schmecken: Es müssen nicht 14 verschiedene an einem Abend sein, da so etwas meistens mit "Haarweh" (vgl. Wilhelm Busch) und einem unerfreulichen Kontostand endet.

Abschließend sei noch daran erinnert, dass der Wein-Jahrgang 2009 österreichweit erfreulich zu werden verspricht. Leider wird es nicht viel davon geben. Außerdem gehört Wein zum Essen, so war die ursprüngliche Idee. Und Wasser ist gut für die Bodenhaftung. Fürs Reinschütten allein wäre das alles viel zu schade. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/15/01/2010)

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