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Wein im Bild

11. Juni 2010, 11:55
Was uns Weingärten über den Wein erzählen können, zeigt ein Kunstprojekt mit Fotos aus aller Welt von Susanne Jakszus und Martin Scholz-Jakszus in Wien.

Von Kulturlandschaften ist die Rede, wenn man von Weingärten spricht. Immerhin wird hier einiges zum Wachsen gebracht. Und der Mensch greift in das Geschehen ein, wie es der Begriff "Kultivieren" impliziert: vom Pflanzenschutz über die Begrünung bis zum Bearbeitbarmachen durch die Terrassierung von Hängen, die eines der beliebtesten Rauschmittel der Menschheit liefern.

Kulturlandschaft ist dabei durchaus nicht im Gegensatz zu Naturlandschaft zu sehen. Denn die Natur ist da, auch wenn sie eine Form aufgedrückt bekommt. Und deren Kraft ist lebendig, bedenkt man, wie kurz die Zeitspanne ist, in der ein Weingarten wieder verwildert.

Susanne Jakszus und Marint Scholz-Jakszus haben sich 2006 aufgemacht, ein visuelles Archiv von Weinlandschaften aus aller Welt anzulegen. 2500 Bilder umfasst die Sammlung der Jakszus' derzeit, sie wird laufend erweitert. Es geht dabei nicht um übliche PR-Schönfotografie, die alles ausspart, was nicht ins Bild der Weinromantik passt. Sie möchten zeigen, wie der Weinbau Landschaften transformiert, was den Wiener Nussberg, den Ürziger Würzgarten an der deutschen Mosel und den Corton-Charle- magne in Burgund verbindet. Und das ist nicht immer offensichtlich. Manche Berge sind streng vertikal bepflanzt, während andere, wie die alten und neuen Terrassierungen im Warre's-Weinberg am Douro in Portugal, durch das zufällig erscheinende, elegant geschwungene Band einer Olivenbaumallee getrennt sind.

Die Fotografen befassen sich auch mit scheinbaren Nebenschauplätzen. "Aufschriften" ist humorvoll aufzeigend. In Frankreich an der Rhône ist es üblich, Weinberge mit Weingutsnamen oder der Appellation (z. B. Condrieu) zu beschriften. In Deutschland, an der Mosel, gibt es die frontal südlich ausgerichteten "Sonnenuhren" gleich in mehreren Orten. Oder den Ürziger Würzgarten, der auf die Charakteristik seines Weines hinweist. Klar wird bei allen Bildern, dass die Verschiedenheit der Weine und ihre innere Komplexität aus der Landschaft kommen müssen. (Luzia Schrampf; DER STANDARD, RONDO, 11.06.2010)

 

 


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