Seltene Erden

16. Mai 2011, 17:50
Was eine gute Gartenerde ausmacht und wo man sie herkriegt, erklärt Gregor Fauma - Wichtig: ein hoher Humusanteil und der richtige pH-Wert

Unser Planet Erde besteht aus allerlei Zeugs. Innerhalb dieser Übergruppe gibt es eine Reihe von Elementen, die "Seltene Erden" genannt werden. Die größten Vorkommen der Seltenen Erden befinden sich in der Inneren Mongolei, mit Abstand gefolgt von Westaustralien und Wien-Währing.

Während die klassischen Seltenen Erden im ganzen neumodischen Technologie-Schnickschnack Verwendung finden, positioniert sich die Seltene Erde aus Währing im therapeutisch-künstlerischen Sektor - ganz im Unterschied zu guter Pflanzenerde.

Gute Pflanzenerde braucht keinen Dünger, sondern wirkt bereits düngend. Sie hält das Wasser lange gegen Wind und Sonne zurück, ist aber auch gleichzeitig schön durchlässig, damit die Pflanzerln keine nassen Fußerln bekommen. Sie hat einen hohen Humusanteil und ist ausreichend fluffig, um den Bodentieren den nötigen Sauerstoff zukommen zu lassen. Sie lässt sich leicht mit Spaten und Rechen bearbeiten und kostet im Schnitt zwischen 0,2 und 0,17 Cent pro Liter. Dass eine dreizehnmal so teure Gartenerde viel gesündere und natürlich auch schönere Pflanzen verspricht, ist jedem klar.

Fantastische Erdgebilde

Ich greife zur billigsten Erde, sehr zum Ärger meiner Gartengäste. Denn seit ein paar Wochen kommen alle möglichen Menschen zu mir in den Garten. Da sind die jene zu erwähnen, die im Rahmen ihrer Ergotherapie aus der Erde seltsame Figuren kneten. Da kommen aber auch Patienten, die im Rahmen ihrer Rehab Aschenbecher aus meiner Erde formen - und da schneit die italienische Giacometti-Truppe herein, die in inspirierter Eile fantastische Erdgebilde in den Garten stellt.

Denn die Seltene Erde aus Währing hat zwei tolle Eigenschaften: Ist sie nass, geht sie problemlos als Plastilinersatz durch, hat ein spezifisches Gewicht von Kryptonit und lässt sich nur klumpenweise bewegen. Auch haftet sie perfekt am Spaten. Trocknet diese hochkompakte Erdmasse jedoch komplett auf, ist sie hart wie Beton, spiegelglatt und für Jungtriebe absolut undurchlässig. Würmer habe ich übrigens noch keine gesehen.

Die von mir auf diese Erdqualität angesprochene Gärtnerin murmelte nur etwas von Muttererde oder Mutter Erde, und ich weiß bis heute nicht, ob das eine fachliche oder philosophische Replik war. Um das Lehmloch zu verbessern, karre ich seit Tagen in unzähligen 40-Liter-Säcken 0,2-Cent-Erdpackeln heran und grabe den gesamten Boden um, kramperl ihn auf und vermenge die erdmaternalen Lehmklumpen mit der ausgesprochen faserigen Blumenerde vom Baumarkt. Zusätzlich werde ich Sand ankaufen, damit dieser die Erde unterrieselt und für eine bessere Drainage und eine dauerhafte Lockerung sorgt.

Schluss mit Töpferkursen

Echte Gärtner messen auch noch den pH-Wert ihres Bodens, um bei Übersäuerung mit Kalkgaben gegenzusteuern, und bei zu basischen Böden mittels Düngersalzen den pH-Wert zu drücken. Der pH-Wert ist nämlich mitentscheidend, ob die für die Pflanzen so wichtigen Nährstoffe gut freigegeben werden können.

Die Stadt Wien bietet auf den Mistplätzen der MA 48 schon seit einigen Jahren gratis Kompost an. Wer diesen, allein jedoch viel zu scharfen, zu sauren Kompost nicht selber mit seiner Erde vermischen möchte, kann dort ebenso fertige, torffreie Blumenerde, bereits gut aus Sand, Kompost und Rindenhumus abgemischt, erstehen. Und dann ist Schluss mit Töpferkursen in meinem Garten. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/13/05/2011)

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