Die Sockentheorie

29. Mai 2011, 20:00
Vom Glück verschiedenfarbige Strümpfe zu tragen - Kolumne von Stephan Hilpold

Wir wollen uns heute einem Phänomen widmen, über das man normalerweise eher weniger nachdenkt, es sei denn, man hat es plötzlich vor eigenen Augen. Genau das passierte dem Verfasser dieser Zeilen, als er vor einigen Tagen die Treppen zum Theater hochstieg. Der schlohweiße Herr vor ihm trug verschiedenfarbige Socken: Eine Socke war hellblau, die andere zartrosa.

Prinzipiell ist dagegen wenig zu sagen, schließlich haben wir es uns auch angewöhnt, Bluse und Rock oder Hemd und Hose in unterschiedlichen Farben zu tragen. Mit Socken sieht die Sache aber anders aus, hier herrscht eine Art Pärchenzwang. 

Strümpfe und die Quantenphysik

Trägt die linke pink, dann muss auch die rechte, und wehe wenn einmal eine Socke fremdgeht! Sofort schleicht sich dann der Verdacht ein, beim dazugehörigen Sockenträger handle es sich um einen Charakter, der mit billigsten Mitteln Aufsehen erregen möchte: ein Hippie, ein Künstler oder gar ein Wissenschafter!

Womit wir bei Dr. Bertlmann wären, einem Wiener Physiker, der prinzipiell nur verschiedenfarbige Socken trägt. Seine Strümpfe haben sogar Einlass in die Quantenphysik gefunden. Der Gedankenkern der Theorie: Wenn Bertlmann um die Ecke kommt und man sieht, welche Farbe eine seiner Socken hat, dann könne man mit Sicherheit voraussagen, dass der zweite Strumpf nicht auch diese Farbe hat. Wir sehen: Mode macht das Leben einfacher. Und mitunter auch ein wenig bunter! (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/27/05/2011)