Diesel-Linie Black Gold: Lachen mit Leder

27. Oktober 2011, 17:15
Die Designlinie Black Gold des italienischen Jeansgiganten Diesel trat lange Zeit auf der Stelle - Bis man die griechische Designerin Sophia Kokosalaki engagierte

Sophia Kokosalaki möchte dezidiert keine hübsche Mode entwerfen. Stephan Hilpold traf die unkonventionelle Modemacherin in New York.

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Hübsch? Sophia Kokosalaki prustet los, wenn sie diese Bezeichnung für ihre Mode hört. Nein, hübsche Mode designe sie nicht: "Sexy, meinetwegen, aber hübsch, nein, damit konnte ich noch nie etwas anfangen."

Wir sitzen auf der Terrasse des Maritime Hotels in New York, und Sophia Kokosalaki ist bester Laune. "Kann ich mal Ihre Sonnenbrille haben", fragt sie, und sie wird sie dann während des gesamten Gesprächs nicht mehr von der Nase nehmen. Die Zeitungen an diesem Morgen sind voll des Lobs über die griechische Designerin. Sie rühmen die Leichtigkeit, mit der die jüngste Kollektion von Diesel Black Gold am Tag zuvor daherkam. Den Einsatz von Leder und Neopren, das Spiel mit den unterschiedlichen Schichten. "Normalerweise hat die Kollektion einen sehr harten, industriellen Unterton. Diesmal war mir aber nach etwas Freundlicherem zumute", erklärt Kokosalaki und lacht dann wieder einen ihrer schallenden Lacher.

Handwerkerin

Keine Frage: Sophia Kokosalaki ist eine ziemlich ungewöhnliche Frau. Die blasierte Angestrengtheit, die viele Designer umgibt, sucht man bei ihr vergeblich. Lassen Sie uns doch eine Pizza bestellen, sagt sie mit ihrem schweren griechischen Akzent, und isst sie dann beinahe im Alleingang. Hemdsärmelig ist ein Attribut, das in vielen Porträts über die Designerin steht.

Hemdsärmelig ist auch ihre Mode. "Ich mag es nicht, wenn ein Designer zu viele Gedanken in eine Kollektion packt. Dann sollte er keine Mode machen, sondern Künstler werden." Konzeptionelle Mode? "Die interessiert doch schon lange keinen mehr!" Kokosalaki nimmt das Wort "Handwerkerin" in den Mund, wenn sie über ihr eigenes Selbstverständnis spricht. Sie ist für ihre Draperien berühmt, dafür, dass sie feinste Garne knotet und faltet, wickelt und in unzählige Schichten legt. Als neue Madame Vionnet hat man sie bereits des Öfteren bezeichnet. Die Mühen der Arbeit sollten am Ende aber vergessen sein: "Ein Kleidungsstück sollte einen Zweck erfüllen. Und es sollte vor allem cool aussehen."

Das sieht auch Renzo Rosso so, der Herr über das italienische Jeansimperium Diesel, der Kokosalaki vor zwei Jahren die Designagenden seiner Nobellinie Diesel Black Gold übertrug. Unter Kokosalakis Vorgänger Wilbert Das trat die Hochpreislinie auf der Stelle, obwohl die Kollektion von Anfang an auf der Fashion Week in New York gezeigt und kräftig beworben wurde. Doch so richtig nahm man der Marke den Sprung von der Streetwear zur Designerkollektion nie ab. Mit Sophia Kokosalaki schaut die Sache jetzt etwas anders aus.

Hübsch und vulgär

Ihre Welt ist jene der Laufstege in London und Paris. Dort zeigt sie seit mehr als einem Jahrzehnt ihre eigene Kollektion, die auch ihren Namen trägt: sehr feminine Mode, die durch ihre Materialwahl punktet und immer hervorragend gearbeitet ist. "Schlecht gemachte Kleider", sagt sie, "sehen vulgär aus." Keine Frage: Gemeinsam mit "hübsch" gehört das Wort "vulgär" zu den Unworten der Sophia Kokosalaki.

Im Jeanskosmos von Renzo Rosso ist man diesbezüglich natürlich etwas gelassener. 2007 kaufte sich Rosso bei Kokosalakis Marke ein, gemeinsam mit Labels wie Viktor & Rolf oder Maison Martin Margiela landete ihre Marke damit unter dem Dach von "Only the brave", Renzo Rossos immer größer werdendem Markenkonglomerat. Als die Designerin zur neuen Designerin von Black Gold bestellt wurde, zog sich Rosso aber aus ihrer eigenen Marke zurück: "Das war für alle Beteiligten besser so", sagt sie heute und lacht dann wieder ihr lautes Lachen. Womit sie wahrscheinlich sagen will, dass Handarbeit, wie sie bei ihrem eigenen Label betrieben wird, recht wenig mit der kommerziellen Welt von Diesel zu tun hat.

Leder- und Jeansproduktion

Genau das war auch das Problem, als Kokosalaki das erste Mal nach Molvena kam, dem (früheren) Stammsitz von Diesel: "Sie müssen sich vorstellen, es gab dort nicht einmal ein Atelier. Es fehlte sogar eine Nähmaschine, um ein Muster anzufertigen." Mittlerweile gibt es natürlich sowohl das eine als auch das andere. Zweimal im Monat reist Kokosalaki von Hackney im Osten Londons, wo sie seit beinahe 15 Jahren lebt (sie ist Absolventin des berühmten Central Saint Martins College), ins Veneto. Sie bringt ihr Know-how in die Leder- und Jeansproduktion ein, experimentiert mit Waschungen und Beschichtungen.

Die Kollektion in New York war jetzt ihre insgesamt vierte - und gleichzeitig jene, die am meisten Zuspruch bekam. "Gut Ding braucht Weil", sagt sie, "das ist bei einer großen Marke nicht anders als bei einer kleinen." Und prustet dann wieder los. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/28/10/2011)

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