Der Krieg der Uniformen

4. Dezember 2011, 16:38
Warum Verkehrsunternehmen in diesem Land plötzlich große Geschütze auffahren - Kolumne von Stephan Hilpold

Es gehört zum Wesen der heimischen Verkehrsunternehmen, dass sie, nicht nur was Service und Freundlichkeit anbelangt, oft etwas eigen sind, sondern auch was ihre Uniformen betrifft. Während Uniformen in anderen Ländern dafür gedacht sind, dass sie ihren Trägern eine gewisse Ernsthaftigkeit verleihen, tragen sie in unserem Land nicht selten zur Erheiterung der Fahrgäste bei.

In der Luft führte das bisher zu einem mit allen Mitteln der Geschmacklosigkeiten geführten Wettkampf der heimischen Fluglinien, wobei die pinken Ballonmützen von Fly Niki die roten Strumpfhosen der AUA-Flugbegleiterinnen eindeutig ausstachen. 

Sakko und Weste in Tunnelgrau

Am Boden war es bis jetzt vergleichsweise ruhig, doch mit der Inbetriebnahme der Westbahn auf der Strecke Wien-Salzburg, werden auch hier scharfe Geschütze in Stellung gebracht. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Zu Sakko und Weste in Tunnelgrau tragen die Zugbegleiterinnen des privaten Eisenbahnunternehmens ein Schiffchen, das sich von jenem, das die Soldaten der Roten Armee trugen, gerade einmal in der Farbe und dem fehlenden Stern mit Hammer und Sichel unterscheidet.

Die Anmutung ist aber ähnlich. Dazu passend die Epauletten, die bei richtigen Uniformen auf dem heißumkämpften Schlachtfeld des Zugverkehrs natürlich nicht fehlen dürfen. Die Frage ist, wie die ÖBB auf diesen Frontalangriff auf ihre vergleichsweise dezenten Uniformen reagieren wird. Hoffentlich rüstet man die Zugbegleiter nicht bald mit Säbel und Bajonetten auf. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/02/12/2011)