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Eugen

ist ein interessanter Fall ...

Es handelt sich nicht um einen Knaben oder Herren dieses Namens, sondern um eine von Jugendlichen neuerdings – neuerdings? - gern gebrauchte Interjektion, die Missmut, Indignation und Überdruss zum Ausdruck bringen soll: „Eu-gen – unser Matheprofessor ist schon wieder urdeppert“.

Das Wort wird mit gleich starker Betonung auf beiden Silben ausgesprochen, der Grad des Missbehagens steht in direkt proportionalem Verhältnis zur Dehnung der Vokale („Eu-Gen“ für kleinen Missmut, „EUUUU-GEEEEN“ für ziemlich großen). Eugen wird als Synonym für „Oida“ gesehen, wobei sich B. und I., die jugendlichen Gewährsleute Ihres Chronisten, einig waren, dass „Eugen“ (Oigen?) der weniger ordinäre, weniger „prollige“ Ausdruck ist. Er verhält sich also zu „Oida“ wie „Leck mich am Ärmel“, „Sack Zement“ oder „Scheibe“ zu einigen unschwer zu erratenden vulgäreren Begriffen und Redewendungen.

Falls Sie nächstens jemand neben sich Eugen sagen hören, wissen Sie, dass Sie es mit einem sehr höflichen jungen Menschen zu tun haben.

Von
Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.

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