Schweinehändler gingen tätlich gegen Tierschützer vor

19. Dezember 2016, 21:09

Zwei Männer, die mit einem Schweinetransport beschäftigt waren, sollen einen Tierschützer in Dornbirn verletzt und bedroht haben

Dornbirn – Raue Umgangsformen scheinen Vorarlberger Viehhändler und Metzger zu pflegen, glaubt man Angaben eines Tierschützers. In der Nacht auf Montag wurde in Dornbirn ein Tierschützer des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) von zwei Männern attackiert, als er die nächtliche Verladung von Schweinen auf dem Gelände des Dornbirner Viehmarkts beobachtete. Laut Polizeibericht waren die mutmaßlichen Täter, ein 59-Jähriger und ein 47-Jähriger, mit dem Umladen von Schweinen beschäftigt.

Der 32-jährige Tierschützer, der vergangene Woche illegale Tiertransporte und Etikettenschwindel von Vorarlberger Metzgereien aufgedeckt hatte, wurde von den Männern zu Boden gestoßen, geschlagen und bedroht. "Sie haben mich auf den Boden gedrückt und mir gedroht, mir das Genick zu brechen und mich umzubringen", berichtet der Tierschützer. Zudem habe ihm der Metzger das Handy weggenommen. Warum er das nicht zurückbekomme, sei ihm ein Rätsel, sagte der VgT-Mitarbeiter zum STANDARD.

Anzeigen wegen Körperverletzung und Drohung

Bei einem der Männer soll es sich laut dem Opfer um einen Viehhändler aus Lustenau handeln, der regelmäßig Schweine aus Allgäuer Massentierhaltung importiert, die dann von Metzgern abgeholt, geschlachtet und als Vorarlberger Fleisch verkauft werden. Der zweite Mann soll ein Metzger aus Hohenems sein. Gegen die beiden Männer wurde Anzeige wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung erstattet, heißt es aus der Landespolizeidirektion.

Neos kritisieren Bauernkammer

Der Verein gegen Tierfabriken hatte mit dem Aufdecken des Etikettenschwindels für Aufregung in Politik und Landwirtschaft gesorgt. Die Machenschaften der Metzger wurden von den Regierungsparteien, der SPÖ und den Neos, aber auch von der Landwirtschaftskammer verurteilt. Zertifizierte Metzger, die das Label für Ländle-Produkte verwenden dürfen, distanzierten sich von ihren Branchenkollegen.

Die Neos wollen nun wissen, warum auf dem Viehmarktgelände, das der Landwirtschaftskammer gehöre, umgeladen wurde. "Heimische Bauern kämpfen ums Überleben. Sie werden nicht verstehen, dass die Kammer einen Umladeplatz zur Verfügung stellt", sagt die Neos-Landtagsabgeordnete Martina Pointner.

Der Verein gegen Tierfabriken sammelt mit einer Petition Unterschriften für eine Kennzeichnungspflicht von Herkunft und Haltungsbedingungen. (Jutta Berger, 19.12.2016)