Foto: afp/Bryan R. Smith
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"Women's March": Die Zivilgesellschaft ist stärker denn je

Userkommentar |
23. Jänner 2017, 19:30

Hunderttausende gingen auch in New York auf die Straße, um für Frauenrechte und gegen Rassismus zu demonstrieren

Am vergangenen Samstag haben in vielen Städten der Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt Proteste gegen die Angelobung Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA stattgefunden. Beim "Women's March" ging es bei weitem nicht nur um Frauenrechte, sondern auch um Rassismus, Einwanderung, Umweltschutz und Menschenrechte im Allgemeinen. Die Märsche waren eine Möglichkeit, der Frustration über den Wahlausgang Ausdruck zu verleihen. Aufgrund des amerikanischen Wahlsystems der Wahlmänner hatte Hillary Clinton die Wahl am 8. November verloren, obwohl sie 2,8 Millionen Stimmen mehr erhalten hatte als Trump.

Die "New York Times" schätzt, dass sich auf der Mall in Washington am Samstag dreimal so viele Personen befunden haben als bei der Angelobung des Präsidenten am Freitag. Auch in New York war die Teilnahme – circa 400.000 Menschen – beträchtlich. In den Straßenzügen in Midtown Manhattan drängten sich die Demonstranten. An manchen Orten wichen sie in Geschäfte aus, um dem Gedränge zu entgehen. Die lauten Protestrufe Zehntausender hallten schallend von den Hochhäusern zurück.

So sieht Demokratie aus

Der Versammlungsort für den New Yorker Marsch war der Platz vor dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen. Die Route führte von dort am Grand Central Terminal vorbei durch die 42. Straße, dann über die Luxusmeile 5th Avenue in Richtung Trump Tower. Der Bereich davor war in einem Radius von zwei Blöcken abgesperrt, den Demonstranten war es nicht erlaubt, direkt zu dem Gebäude vorzudringen. Die Demonstranten verließen zum Teil aus Platzgründen die vorgegebene Route und legten beim Versuch weiterzukommen den Verkehr lahm. Für ein paar Stunden gehörte Midtown Manhattan friedlich demonstrierenden Menschen.

Die Stimmung war phantastisch und mitreißend. Sprüche wie "This is what democracy looks like" (so sieht Demokratie aus) oder "Oh, oh, Trump has to go" (Trump muss gehen) wurden von der Menge skandiert. Die Demonstranten waren mit sehr kreativen Schildern ausgerüstet. Viele trugen "Pussy Hats" – eine Anspielung auf einen sehr vulgären Kommentar Trumps ("Grab 'em by the pussy. You can do anything").

Zu den lustigsten Texten auf den Schildern zählten "Pussy grabs back" mit einem Katzenfoto als Anspielung auf Trumps sexistischen Kommentar; "If my uterus fired bullets, GOP (Republican Party) would fund it" – einerseits eine Anspielung auf die Waffenbesessenheit der Republikaner und andererseits auf die möglichen Pläne der Regierung, die Finanzierung für die medizinische Versorgung von Frauen zu kürzen; oder "We shall overcomb", ein Wortspiel mit dem Lied "We Shall Overcome" der Bürgerrechtsbewegung und Trumps Haarstil.

Neue Ära

Die Teilnahme an den Märschen hatte für viele eine unglaublich befreiende Wirkung. Endlich das Gefühl, etwas tun zu können und nicht alleine zu sein.

Trumps Regierung besteht aus einigen Politikern, die in der Vergangenheit fundamentale Frauenrechte eingeschränkt haben. Er selbst propagiert xenophobe und zum Teil menschenverachtende Ansichten. Was auch immer während seiner Regierungszeit passieren wird, eines wurde am Samstag klar. Diejenigen, die auf die Straße gegangen sind, um für ihre Rechte zu demonstrieren und ihrem Unmut mit dem Wahlausgang Ausdruck zu verleihen, werden nicht schweigend mitansehen, wie Menschenrechte ausgehöhlt und untergraben werden. Eine neue Ära ist in den Vereinigten Staaten angebrochen, und die Stimmen der Zivilgesellschaft sind stärker denn je. (Stella Schuhmacher, 23.1.2017)

Stella Schuhmacher lebt seit 16 Jahren in den USA. Sie ist Absolventin der Diplomatischen Akademie Wien und hat zehn Jahre lang für die Uno, Unicef und die Weltbank gearbeitet. Derzeit studiert sie an der Columbia University in NYC.

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