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Was Studierende an ihrer Hochschule mögen und was gar nicht klappt

8. Februar 2017, 09:00

Dozenten: top. Career Service: flopp. Ein Großteil von mehr als 7.000 befragten Studierenden fühlt sich schlecht für das Arbeitsleben vorbereitet

Die gute Nachricht zuerst: Acht von zehn Studierenden sind mit ihrer Hochschule im Großen und Ganzen zufrieden. Allerdings tun Hochschulen noch zu wenig dafür, ihre Studierenden auf das Arbeitsleben vorzubereiten: Der Career-Service, der Praxisbezug des Studiums sowie die Kooperation der Hochschulen mit der Wirtschaft erhalten von den Studierenden schlechte Noten. Das ist das Ergebnis des Trendence-Graduate-Barometers, einer Studie unter 7.700 abschlussnahen Studierenden von 32 Hochschulen in ganz Österreich, darunter Universitäten und Fachhochschulen.

Unzufriedenheit mit Karriereservice

Konkret bedeutet das: Nur die Hälfte der Studierenden ist mit der Beratung durch den Career-Service zufrieden. Das Angebot an ausgeschriebenen Stellen für Praktika oder Einstiegsjobs sowie die Zusammenarbeit mit Unternehmen bei Forschungsprojekten schneiden im Urteil der Studentenschaft ebenso schlecht ab. Mit dem Angebot an Job- und Karrieremessen auf dem Campus sind nur drei von fünf Studierenden zufrieden. "Genau diese Dinge sind es aber, die Studierende am besten aufs Arbeitsleben vorbereiten. Sie erwerben wertvolle Fähigkeiten, bekommen Einblicke ins Arbeitsleben und knüpfen Kontakte für den Einstieg. Von insgesamt 28 Kriterien, anhand derer die Studierenden ihre Hochschule bewerten, schneiden diese Faktoren am schlechtesten ab", so Bernhard Vierhaus, Country-Manager Österreich bei Trendence.

Dozenten, WLAN und Infrastruktur passen

Zum Vergleich: Am zufriedensten sind die Studierenden mit der fachlichen Kompetenz ihrer Dozenten. 88 Prozent der Studierenden beurteilen diese positiv, gefolgt vom WLAN mit 82 Prozent und der Verkehrsinfrastruktur auf dem Campus mit 76 Prozent. Die Studierenden beurteilen darüber hinaus das Angebot der Bibliotheken, die Internationalität des Studiums, den Service an der Hochschule und die studentischen Aktivitäten.

"Hochschulen tun noch zu wenig, um ihre Studierenden beim Jobeinstieg zu unterstützen", so Vierhaus. "Die Mitarbeiter der Career-Center haben meist wenig oder gar keine Erfahrung von praktischer Personalarbeit in Unternehmen und können Studierenden oft nur theoretisches Wissen vermitteln." Vierhaus wittert hier die Chance für Unternehmen: "Wenn mehr Firmen aktives Hochschulmarketing betreiben, ist das eine Win-win-Situation für alle Seiten: Die Arbeitgeber sind auf dem Campus nah an ihrer Zielgruppe und können die potenziellen Mitarbeiter direkt mit Informations- und Beratungsangeboten unterstützen und sie so von einem Job in ihren Häusern überzeugen. Die Hochschulen decken den Bedarf ihrer Studierenden an Karriereplanung und werden entlastet. Die Studierenden erhalten wertvolle Tipps und Einstiegsmöglichkeiten."

Was Studierende sich wünschen

Die Studierenden haben konkrete Wünsche an die Arbeitgeber am Campus. 62 Prozent wünschen sich von Unternehmen, dass sie Stellenangebote für Praktika oder Einstiegsjobs auf dem Campus aushängen und so Einstellungsbedarf und Einstiegsmöglichkeiten transparent werden. Gastvorlesungen findet knapp die Hälfte der Studierenden gut. Sie ermöglichen Einblicke in die unternehmerische Praxis und das Arbeitsumfeld. Zwei von fünf Studierenden, darunter besonders viele Studierende technischer Fächer, wollen mehr Forschungsprojekte mit Unternehmen. Bei Wirtschaftswissenschaftern sind hingegen Unternehmenspräsentationen beliebter. (red, 8.2.2017)

Über die Studie Trendence Graduate Barometer

Das Trendence Graduate Barometer ist eine österreichische Absolventenstudie mit mehr als 7.700 Teilnehmern an 32 Universitäten und Fachhochschulen. Es wird seit 2007 jährlich als Barometerstudie durchgeführt. Neben den Karriereplänen und Wunscharbeitgebern der Studierenden ist auch die Qualität der Hochschulen jährlich Thema der Befragung. Insgesamt bewerten die Studierenden ihre Hochschule anhand von 28 Faktoren in insgesamt zehn Kategorien.