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Exotin? "Diesen Begriff mag ich nicht so"

9. Februar 2017, 08:59

Sabrina Simader aus Haus im Ennstal ist die erste Kenianerin bei Skiweltmeisterschaften und träumt von Olympia

St. Moritz – 8,68 Sekunden Rückstand, letzter Platz, eigentlich kein Grund für einen Interviewmarathon. Für Sabrina Simader, die 39. des Super-G, war der Nachhall aber weit anstrengender als das Rennen selbst. "Ich hab' bestimmt schon 35 Interviews gegeben", sagte die erste Kenianerin, die ein WM-Rennen bestritt.

Sabrina Simader ist viel mehr als eine bessere Hobbyskifahrerin, sonst hätte sie nicht starten dürfen. Weil sie aus Kenia stammt, wird die erst 18-jährige Exotin geheißen – zu ihrem Unwillen. "Diesen Begriff mag ich nicht so", sagt sie. "Ich bin ja in den Bergen groß geworden." Auch wenn Österreich schon noch höhere Berge zu bieten hat, als sie um St. Johann am Wimberg in den Ausläufern des Böhmerwaldes zu finden sind. Ins Mühlviertel kam Sabrina im Alter von drei Jahren. Mutter Sarah hatte einen Österreicher geheiratet, Josef Simader. Der Stiefvater war ein ausgezeichneter Skiläufer und betrieb einen kleinen Lift.

Rückschlag

Der sportliche Werdegang begann sich deutlich abzuzeichnen, als Sabrina im Alter von zehn Jahren mit der Mutter nach Haus im Ennstal zog und die nahe Skihauptschule in Schladming besuchte. Sie gewann steirische Nachwuchsmeisterschaften im Super-G, im Riesentorlauf und in der Kombination. "Vielleicht", sagte Adoptivvater Josef zu Freunden, "wird die Sabrina die erste kenianische Skiläuferin bei Olympischen Spielen."

Als er im Juni 2012 an einem Herzinfarkt starb, verlor Sabrina die Lust am Skifahren. Es waren die Mutter und ihr Trainer Christian Reif, die sie auffingen und neu motivierten. Reif (62) ist Trainer, Servicemann und Betreuer in einem. Der Fernsehsender Sky, die Bergbahnbetriebe Planai und ein Ernährungs- und Fitnessunternehmen leisten finanzielle Unterstützung.

Motivation

"Ich will mich Schritt für Schritt entwickeln", sagt Simader. Dabei hilft, dass sie – dem österreichischen Skiverband sei Dank – ab und zu bei den ganz Großen mittrainieren darf, bei Marcel Hirscher, bei Hannes Reichelt oder der neuen Super-G-Weltmeisterin Nicole Schmidhofer.

Deren Erfolg, sagte Sabrina Simader am Dienstag, "ist eine unglaubliche Motivation für mich." In St. Moritz will sie sich über die Qualifikationsrennen noch für den Riesentorlauf und den Slalom qualifizieren. Die Chancen stehen nicht schlecht. Im Jänner belegte sie in einem Fis-Slalom in Maribor immerhin Rang sieben. Dann soll auch ihr Fanklub vom SSV St. Johann wieder vor Ort sein.

Die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang, sagt Sabrina Simader, "sind mein großes Ziel" – die Prophezeiung von Stiefvater Josef Simader soll sich erfüllen. Vorher, im März, ist Sabrina Simander die erste kenianische Skirennläuferin, die an einer Juniorenweltmeisterschaft teilnimmt – in Aare, Schweden. (sid, red, 9.2.2017)