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Causa Mittelfinger: DFB fordert Ancelotti zu Stellungnahme auf

19. Februar 2017, 14:39

Beleidigende Geste des Bayern-Trainers in Richtung Berliner Fans könnte ein Nachspiel haben

Die beleidigende Geste von Trainer Carlo Ancelotti gegen Hertha-Fans unmittelbar nach dem 1:1 (0:1) des Rekordmeisters Bayern München in Berlin könnte ein Nachspiel für den Italiener haben. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird den Bayern-Coach zu einer Stellungnahme auffordern. Einen entsprechenden Bericht des kickers bestätigte der DFB.

Spucke, Mittelfinger, Schuss in Rücken

Ancelotti hatte den Fans beim Gang in die Kabine den Mittelfinger gezeigt, nachdem er nach eigenen Angaben bespuckt worden war. Auch Hertha-Torhüter Rune Jarstein, der unmittelbar nach dem späten Ausgleich von Robert Lewandowski (90.+6) aus kurzer Distanz Xabi Alonso in den Rücken geschossen hat, muss sich gegenüber dem Kontrollausschuss äußern. Dem Norweger droht eine nachträgliche Sperre, sollte diese Aktion als Tätlichkeit gewertet werden.

"Ja, ich habe diese Geste gemacht, weil ich angespuckt wurde", hatte Ancelotti bereits am Samstag in der ARD-Sportschau zugegeben. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund zeigte im ZDF-Sportstudio Verständnis für die Reaktion des Italieners: "Ich würde jetzt nicht den Stab über ihn brechen wollen. Wenn dir einer von oben auf den Kopf rotzt, dann findest du das nicht so spannend."

Jarstein hatte mit seiner Aktion auf dem Rasen einige Rudelbildungen ausgelöst. "Das gehört sich nicht, das ist kein Fair Play", kritisierte Bayern-Torhüter Manuel Neuer, der in den hektischen Szenen nach dem Schlusspfiff mittendrin war: "Es waren so viele Zuschauer da, da ist das kein gutes Vorbild. Da kann man sich auch mal beschweren."

Hertha-Trainer Dardai ortete "Bonus für den Gegner"

Einen Grund zu intervenieren sah auch Ancelottis Trainerkollege Pal Dardai. Der Treffer Lewandowskis fiel zu einer Zeit, als die angezeigten fünf Minuten Nachspielzeit schon abgelaufen waren. "Ein bisschen böse bin ich schon, dann müssen auch sechs Minuten angezeigt werden. Ein Tick Bonus für den Gegner", sagte Dardai.

Das neunte Saisontor von Vedad Ibisevic (21.), mit dem der Bosnier seine 656-minütige Ladehemmung beendete, reichte am Ende nur zum ersten Punkt gegen die Münchner nach acht Jahren. "Es wäre nicht unverdient gewesen, wenn wir gewonnen hätten. Aber das sind die Bayern. Sie haben diese Kraft, dass sie in der Endphase da sind", sagte Dardai.

Erst als Ancelotti den zunächst geschonten Lewandowski nach einer Stunde auf den ramponierten Rasen des Olympiastadions schickte, erspielte sich der mit David Alaba als Innenverteidiger angetretene Tabellenführer immer mehr Ausgleichs-Möglichkeiten. Doch erst ganz am Ende sollte es klappen.

Vom typischen "Bayern-Dusel" wollte der Münchner Kapitän Philipp Lahm danach nicht sprechen. "Bei anderen Teams heißt es, sie haben eine super Moral. Bei uns ist es der Bayern-Dusel." Allerdings gab Lahm auch zu: "Wir müssen konstant auf hohem Niveau spielen und können uns nicht immer darauf verlassen, dass wir am Ende immer ein Tor schießen."

Durchatmen in Bremen

Am anderen Ende der Tabelle feierte Werder Bremen einen wichtigen Erfolg im Abstiegskampf. Durch das 2:0 in Mainz sammelten Zlatko Junuzovic und Co. erstmals in diesem Jahr Punkte, womit der Job von Trainer Alexander Nouri zumindest vorerst abgesichert ist. "Ich nehme mich nicht zu wichtig, sondern begreife mich als Teil des Teams. Es müssen noch viele weitere Schritte folgen, deshalb ist Bescheidenheit angesagt", sagte Nouri.

Elfer-Diskussionen mit Gregoritsch

Sein Klub liegt auf Relegationsplatz 16, der unmittelbar davor rangierende Hamburger SV ist nach dem Heim-2:2 gegen Freiburg nur noch einen Zähler entfernt. Michael Gregoritsch erzielte bei seinem Comeback nach überstandener Bänderverletzung das zwischenzeitliche 2:1 und stand in der 88. Minute neuerlich im Mittelpunkt, als er einen Elfmeter für den HSV ausführen wollte.

Allerdings trat der zuvor gefoulte Aaron Hunt nach kurzer Diskussion mit Gregoritsch vom Punkt an – und scheiterte. Bereits im vergangenen Herbst hatte sich der Steirer beim 2:1 gegen Schalke den Ball zu einem Elfer geschnappt, ehe ihm Johan Djourou die Kugel stibitzte und dann verschoss. "Beim nächsten Mal lasse ich mir den Ball nicht wegnehmen", versprach Gregoritsch. (sid, APA, 19.2.2017)