Laut Prognosen schließt sich Einkommensschere in Österreich erst 2058

Der "Women in Work"-Index zeigt Verbesserungen bei der Kaufkraft von Frauen. Dennoch verdienen sie im OECD-Schnitt 16 Prozent weniger

In einigen Ländern könnte sich dem Index zufolge die geschlechtsspezifische Lohnlücke bereits innerhalb weniger Jahre schließen. In Österreich dauert es laut Prognosen deutlich länger, nämlich 50 Jahre.

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Laut einem neuen Bericht machen OECD-Länder weiterhin einen langsamen, aber sicheren Fortschritt in Richtung größerer weiblicher Wirtschaftskraft. Dennoch bleibt die geschlechtsspezifische Lohnlücke ein wesentliches Problem: Eine berufstätige Frau verdient in der OECD nach wie vor um 16 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen – und das trotz einer Verbesserung der Qualifikation.

Der "Women in Work-Index" der Witschaftsprüfung PwC misst das Niveau der weiblichen Wirtschaftskraft in 33 OECD-Ländern basierend auf fünf Schlüsselfaktoren: die Einkommensgleichheit, die Fähigkeit der Frauen, Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten zu haben, die Vollzeitbeschäftigungsrate, Arbeitslosigkeit sowie die Arbeitsplatzsicherheit.

Österreich: Schlechtere Platzierung, aber Fortschritte

Österreich konnte sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verbessern und landet erneut auf Rang 22. Im Jahr 2000 lag Österreich noch auf Platz 13. Die Verschlechterung ist allerdings vor allem durch die starke Verbesserung in anderen Ländern zu erklären. Im Jahr 2000 waren nur sieben Prozent der österreichischen Vorstände weiblich, heute sind es laut PwC-Zahlen 17. Verschlechtert hat sich aber der "Gender Wage Gap", also wie viel Prozent weniger Frauen pro Jahr verdienen. 2000 lag der Wert bei 20 Prozent, im aktuellen Bericht werden 21,5 Prozent angeführt.

Nach wie vor haben die nordischen Länder – insbesondere Island, Schweden und Norwegen – die Nase vorn. Die stärkste Verbesserung bei den Platzierungen erreichte Polen, laut der Analyse von PwC-Beratern ist dies durch eine Senkung der Arbeitslosigkeit unter Frauen sowie einen Anstieg der Vollzeitbeschäftigungsrate möglich geworden. Spitzenreiter bei der Beschäftigung ist Schweden, wo 74 Prozent der Frauen beschäftigt sind (61 Prozent davon Vollzeit). Für den Index wurde errechnet, welche wirtschaftlichen Vorteile es für die jeweiligen Länder bringen würde, wenn das Niveau auf jenes von Schweden klettern würde. In Österreich wäre demnach ein Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um neun Prozent möglich.

Was getan werden müsste

"Unternehmen und Regierungen können viel mehr tun, um die Ursachen der geschlechtsspezifischen Lohnlücke anzusprechen, die tief verwurzelt sind. Mit wirtschaftspolitischen Hebeln, die den Zugang zu erschwinglicher und ausreichender Kinderbetreuung verbessern, sowie mit geteilter Elternzeit schaffen es nachweislich mehr Frauen in die Erwerbsarbeit", sagt Bianca Flaschner, Senior Manager People and Organisation bei PwC Österreich über das, was getan werden müsste. "Frauenförderung am Arbeitsplatz und ein effizienter Rückkehrprozess nach der Karenz können Frauen den Wiedereinstieg in den beruflichen Alltag signifikant erleichtern. Durch flexible Gestaltung könnten Unternehmen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen, ihren familiären Verpflichtungen neben der Arbeit nachzukommen. Somit ergibt sich eine Win-Win Situation für beide Seiten."

In einigen Ländern könnte sich dem Index zufolge die geschlechtsspezifische Lohnlücke bereits innerhalb weniger Jahre schließen. In Luxemburg und Belgien rechnet man mit zwei Jahrzehnten – in Polen, wo sie bereits auf sieben Prozent gesunken ist, könnte das sogar im nächsten Jahrzehnt umsetzbar sein, wenn sich die Trends der Vergangenheit fortsetzen. In Österreich dauert es laut Prognosen deutlich länger, bis sich die Einkommensschere schließt: Im Bericht rechnet man damit erst innerhalb der nächsten 50 Jahre – also 2058. (lhag, 21.2.2017)

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