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McDonald's, Coca-Cola und Co: Der Niedergang der Global Player

26. Februar 2017, 09:00

US-Präsident Trump verfolgt eine protektionistische Wirtschaftspolitik. Das könnte global agierenden Unternehmen schaden

Zu den vielen Dingen, die US-Präsident Donald Trump nicht mag, gehören multinationale Unternehmen. Der Immobilienmilliardär bezichtigte Global Player, ein "Blutbad" anzurichten, indem sie Billigprodukte in die USA einführen und Standorte ins Ausland verlagern. Trump drohte deutschen Autobauern mit Strafzöllen, sollte sie ihre Fahrzeuge in Mexiko produzieren und in die USA exportieren. "America first" lautet die Devise. Dass dies nicht den Spielregeln der Welthandelsorganisation entspricht, ficht den Präsidenten nicht an. Im Gegenteil: Trump hat seinen aggressiven protektionistischen Kurs eher noch verschärft.

Falsche Gegner

Aber legt er sich mit dem falschen Gegner an? Multinationale Unternehmen beschäftigten nur einen von 50 Angestellten auf der Welt. Doch sie haben Gewicht. Global Player wie Amazon, McDonald's, Ford, Siemens und Coca-Cola koordinieren Lieferketten (supply chains), die mehr als die Hälfte des Welthandels ausmachen. Man kann diese gigantischen Handelsströme täglich sehen: Coca-Cola-Laster, die vor Supermärkten Limonade abladen. Oder Paketdienste, die Waren aus Amazons Logistikzentren in Wohngebiete karren.

Der Boom multinationaler Unternehmen setzte in den 1990er-Jahren ein, als die damalige Sowjetunion zusammenbrach und sich mit der marktwirtschaftlichen Öffnung Chinas neue Märkte auftaten und die Globalisierung einen neuen Schub erlebte. Damals herrschte Goldgräberstimmung auf den Aktienmärkten. Global Player waren die Lieblinge der Anleger: groß, aber doch flexibel, wachstumsstark und profitabel. Doch der Wind hat sich allmählich gedreht.

Weniger Appetit

Der "Economist" berichtete jüngst, dass die großen Tanker der Weltwirtschaft in arge Seenot geraten sind. In den letzten fünf Jahren sind die Gewinne multinationaler Unternehmen um 25 Prozent geschrumpft. Rund 40 Prozent aller multinationalen Unternehmen erzielen eine Kapitalrendite von weniger als zehn Prozent, was unter Ökonomen als "Underperformance", als Leistungsschwäche, gilt. Betroffen ist vor allem die Old Economy. Die Umsätze der Schnellrestaurantkette McDonald's sind seit Jahren rückläufig. Der Appetit der Kunden schwindet. Auch Coca-Cola, der Inbegriff des globalen Getränks, meldete Umsatzrückgänge und Gewinneinbrüche. Auch der Umsatz von General Electric sank im vierten Quartal 2016.

Zwar sind die Gründe mannigfaltig und teilweise temporärer Natur: hier veränderte Konsumgewohnheiten, dort das schwache Ölgeschäft. Doch es gibt ein Bündel struktureller Ursachen für die Probleme der Global Player: In Schwellenländern wie China und Brasilien steigen die Löhne. Das führt dazu, dass der Lohn- und Unterbietungswettbewerb geringer wird und multinationale Unternehmen nicht mehr so leicht Produktionsstandorte ins Ausland verlagern können.

Know-how und Fußball

Gleichzeitig steigt auch das Know-how in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). Bestes Beispiel ist der Schienenverkehr: Lange war China auf Know-how und Fertigungsteile aus dem Ausland angewiesen. Inzwischen baut der Schienenfahrzeughersteller CRRC Hochgeschwindigkeitszüge selbst. Der Bahntechnikriese besitzt inzwischen einen globalen Marktanteil von 69 Prozent und hat die Konkurrenz aus Japan und Deutschland verdrängt. Siemens, mit dem ICE einmal führend bei Hochgeschwindigkeitsbahnen, erreicht nur noch einen Weltmarktanteil von drei Prozent.

Sogar im Fußball versuchen chinesische Milliardäre, mit dem Einkauf von Superstars wie Carlos Tévez ein nationales Gegengewicht zu europäischen Ligen aufzubauen. Von der US-Schiefergas-Industrie über den chinesischen Onlinehandel bis hin zu indischen Telekommunikationskonzernen – die Schlüsselmärkte sind heute lokal, nicht global. Deshalb gehen Konzerne wie General Electric und Siemens dazu über, ihre Lieferketten zu lokalisieren. Siemens hat in der Türkei ein Werk für Straßenbahnen gebaut. Wenn künftige Teile aus dem 3-D-Drucker kommen, könnte der globale Warenverkehr weiter abnehmen.

Mehr Regulierung

Auch die Regulierungsbehörden machen Global Playern das Leben schwer. Steuertricks wie der "Double Irish With a Dutch Sandwich", einer komplexen Konstruktion aus Holdings und Firmen, mit denen Konzerne wie Apple Gewinne verschoben, funktionieren nur bedingt in einer Zeit, in der Aufsichtsbehörden genauer hinsehen.

Die EU-Kommission verlangt, dass Apple 13 Milliarden Euro Steuern zahlt. Die Stars aus dem Silicon Valley, deren Expansionskurs lange unaufhaltsam schien, spüren den Gegenwind nationaler Behörden. Facebook erhält keinen Marktzugang zu China, obwohl der Konzern eine Zensursoftware entwickelt hat.

Und so ist auch Trumps Krieg gegen die multinationalen Konzerne mehr eine Spiegelfechterei, weil Global Players keine Arbeitsplätze abbauen, sondern die Globalisierung nationaler wird – und damit die Margen für global agierende Konzerne sinken. (Adrian Lobe, 26.2.2017)