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Gebildete Frauen haben später Sex

6. März 2017, 07:00

"Aufpassen" scheint in Österreich eine gängige Form der Verhütung zu sein, zeigt eine Umfrage. Sechs Prozent der Frauen gehen zudem nie zum Frauenarzt

Je höher die Bildung einer Frau, desto später hat sie das erste Mal Sex. Das ist ein Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter 1.000 Österreicherinnen. Im Durchschnitt ist eine Frau bei ihrem ersten Mal 17 Jahre alt, hat die vom Pharmaunternehmen Gynial initiierte Befragung außerdem ergeben. "Obwohl wir dazu neigen, die Jungen zu sexualisieren, hat sich das Einstiegsalter in die Sexualität im Vergleich zu früher nicht verändert", kommentiert die Allgemein- und Sexualmedizinerin Elia Bragagna diese Zahlen.

47 Prozent der Befragten haben beim ersten Mal mit einem Kondom verhütet, 35 Prozent mit der Pille, und neun Prozent gaben an, beim ersten Mal "aufgepasst" zu haben. Bragagna sieht diese Entwicklung skeptisch und glaubt, hier müsse vor allem in der Schule noch bessere Aufklärungsarbeit betrieben werden.

Auch aktuell – so sagen es die Antworten der befragten Frauen – verhüten noch sechs Prozent mit "Aufpassen". 19 Prozent nehmen die Pille, 16 Prozent verwenden Kondome und fünf Prozent eine Spirale. "Ich hoffe, dass Frauen, die 'aufpassen', wissen, was das für sie bedeutet", sagt Bragagna.

Menstruation enttabuisieren

Bei ihrer ersten Regelblutung ist die Österreicherin im Durchschnitt 13 Jahre alt. Zur Damenhygiene verwenden 86 Prozent der Befragten Tampons, 73 Prozent Binden, acht Prozent eine Menstruationstasse und vier Prozent Slipeinlagen. Vor allem die Verwendung der Menstruationstasse sieht Bragagna positiv: "Seit 2010 beobachten wir einen viel entspannteren Umgang mit dem Thema Menstruation. Junge Frauen verwenden Menstruationstassen immer öfter, sie sehen darin eine Art Befreiung, und gleichzeitig fordern sie damit, dass das Thema einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft bekommt."

Ebenfalls eine Rolle spielt die Bildung bei der Kommunikation über Sexualität, denn je gebildeter eine Frau ist, desto eher spricht sie mit ihrem Partner über Verhütung. "Ich finde es sehr schön, dass die Partner an diese Stelle vorgerückt sind und dass Frauen mit ihnen Informationen austauschen. Das hätte ich nicht erwartet", so Bragagna.

An erster Stelle, wenn es um Gespräche über Verhütung geht, steht dennoch bei 69 Prozent der Frauenarzt. Bragagna kritisiert aber, dass das Thema Sexualität an den medizinischen Universitäten zu wenig Thema ist. 22 Prozent der befragten Frauen gaben an, mit dem Partner, zwölf Prozent mit der Freundin, zehn Prozent mit der Mutter zu sprechen. 14 Prozent unterhalten sich über dieses Thema mit niemandem.

Kontrolle beim Frauenarzt

Der Großteil der befragten Frauen geht regelmäßig zur Routinekontrolle beim Gynäkologen, neun Prozent gaben an, selten zur Untersuchung zu gehen, und sechs Prozent antworteten auf die Frage mit "nie". Vor allem in der Schule und in den Medien müsse Aufklärungsarbeit betrieben werden, um Letzteres zu ändern, glaubt die Sexualmedizinerin.

Gefragt nach ihrem Wunsch nach Kindern, gaben 52 Prozent der Frauen an, bereits Mutter zu sein, 13 Prozent wünschen sich Nachwuchs, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, acht Prozent sind sich nicht sicher, und 22 Prozent gaben dezidiert an, keine Kinder zu wollen. Im Durchschnitt wollen die befragten Frauen im Alter von 30 Jahren Mutter werden. Bragagna sieht die Einstellung der Frauen positiv: "Sie wissen, was sie wollen, sie sind sehr reflektiert. Die Frauen wollen einen Boden unter den Füßen haben, beruflich und privat gesettelt sein, bevor sie Kinder bekommen."

Auch Schwangerschaft und das Leben nach einer Geburt waren Thema der Befragung. Über Tabuthemen in der Schwangerschaft, wie etwa Blasensschwäche oder Sex, sprachen 47 Prozent mit ihrem Arzt, 32 Prozent mit dem Partner und 24 Prozent mit der besten Freundin. Auch Informationen zu diesem Thema bekommen die meisten Frauen von ihrem Arzt, außerdem informieren sie sich in Büchern (33 Prozent), bei der Mutter (29 Prozent), bei einer Hebamme (13 Prozent) oder bei anderen Schwangeren (zehn Prozent). Nur acht Prozent gaben an, sich im Internet Informationen zu holen.

Die häufigsten Probleme nach einer Geburt – so die Antworten – sind Schlafmangel, Gewichtszunahme, sexuelle Lustlosigkeit, Stillprobleme, Zeitmangel, Blasenschwäche, Probleme in der Partnerschaft und Schmerzen beim Sex. 24 Prozent gaben allerdings an, unter keinem dieser Probleme gelitten zu haben.

Hartnäckiger Mythos

Nach wie vor scheint sich in der Bevölkerung der Mythos zu halten, Frauen könnten unmittelbar nach einer Geburt nicht wieder schwanger werden. Die Daten der Befragung zeigen: 22 Prozent verhüten nach einer Geburt gar nicht. 27 Prozent griffen auf Kondome, ebenso viele auf die Pille zurück.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: 19 Prozent der Frauen wissen nicht, was man unter dem Begriff Menopause versteht. "Hier wird deutlich, dass unsere Gesellschaft noch sehr in der altchristlichen Erziehung hängt, wenn es um das Thema Sexualität nach der Menopause geht", so Bragagna. Auch was die Symptome in dieser Zeit anbelangt, haben Frauen teilweise falsche Vorstellungen davon, was sie erwarten wird, darauf lässt zumindest ein Vergleich mit den Antworten jener Frauen schließen, die diese Phase bereits hinter sich haben.

Durchschnittlich kommt eine Österreicherin im Alter von 49 in ihre Wechseljahre. Bei 50 Prozent der Befragten hat sich durch die Menopause das Sexualleben verändert, neben vorwiegend negativen Veränderungen wie Lustlosigkeit, weniger Sex und Scheidentrockenheit gaben wenige Frauen auch positive Veränderungen an, etwa entspannteren Geschlechtsverkehr und vermehrte Lust. (Bernadette Redl, 6.3.2017)