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Das Vertrauen in die Medien ist in einer gefährlichen Schieflage

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4. März 2017, 10:00

Links ist das Vertrauen hoch – rechts ist es bedenklich gering

Keine moderne Demokratie kommt ohne ein pluralistisches Mediensystem aus. Informationen über das landesweite politische Geschehen werden – auch im Zeitalter sozialer Medien – selten direkt von Politikern an Wähler kommuniziert, sondern zumeist medial vermittelt. Die Medien spielen also eine zentrale Rolle in der Kommunikation zwischen dem Volk und seinen Vertretern.

Damit diese Kommunikation gelingen kann, ist es wesentlich, dass die Wähler die Medien im Großen und Ganzen als eine verlässliche Informationsquelle betrachten (vorausgesetzt, dass das einigermaßen gerechtfertigt ist).

Wie die erste Grafik zeigt, war das Vertrauen der Österreicher in verschiedene Medien schon einmal höher. Besonders zwischen 2013 und 2015 haben sich die Werte dramatisch verschlechtert – erst im vergangenen Jahr gab es wieder eine leichte Erholung. Im Vergleich verschiedener Sparten genießen Radio und Fernsehen höheres Vertrauen als der Printbereich ("Presse"), noch weiter unten rangiert das Internet.

Mit Blick auf die längerfristige Entwicklung seit 2000 ist der Vertrauensverlust zwar sicher bedenklich, aber noch kein Grund zur Panik. Wiewohl nicht berauschend, sind die derzeitigen Werte nicht völlig aus der Norm der letzten zwei Jahrzehnte.

Mehr Sorgen muss einem da schon bereiten, was eine genauere Aufschlüsselung des Medienvertrauens nach politischer Orientierung ergibt. Dazu verwende ich eine Fragestellung aus den Eurobarometer-Daten vom Herbst 2016: "Die österreichischen Medien bieten vertrauenswürdige Informationen" – mit einer vierstufigen Antwortskala.

Wie die zweite Grafik deutlich zeigt, korrelieren die Antworten extrem stark mit der politischen Selbsteinstufung auf einer Links-rechts-Skala. Ganz links (Skalenwerte 1–2) halten 86 Prozent die Informationen in den österreichischen Medien für ganz oder einigermaßen vertrauenswürdig. In der Mitte (5–6) sind es immerhin noch 69 Prozent. Bei Befragten, die sich selbst rechts einstufen (9–10), sinkt dieser Wert auf nur 43 Prozent. Fast jeder Dritte in dieser Gruppe ist der Meinung, die Informationen in den österreichischen Medien seien "überhaupt nicht" vertrauenswürdig.

Das im Europavergleich noch immer einigermaßen hohe Vertrauen in die österreichischen Medien soll daher nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns in einer gefährlichen Schieflage befinden. Für Personen links der Mitte bilden Informationen, die sie aus den Medien beziehen, eine verlässliche Grundlage für ihre politische Meinungsbildung. Für Menschen, die sich rechts verorten, ist das in einem viel geringeren Ausmaß der Fall.

Gefährlich daran ist, dass so der öffentlichen politischen Debatte eine wesentliche Grundlage entzogen wird. Nicht nur, dass sich Links und Rechts immer schwerer auf eine gemeinsame Faktenbasis für ihre politische Auseinandersetzung einigen können. Die Medien selbst laufen Gefahr, immer stärker als Partei in der öffentlichen Debatte wahrgenommen zu werden. (Laurenz Ennser-Jedenastik, 4.3.2017)

Laurenz Ennser-Jedenastik ist Politikwissenschafter an der Universität Wien