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Studie: Zwölf-Stunden-Arbeitstage sind Gesundheitsrisiko

6. März 2017, 16:05

Untersuchung des Zentrums für Public Health der Med-Uni Wien: Ermüdungszuwachs während eines langen Tagdienstes ist dreieinhalb mal höher als an einem arbeitsfreien Tag

Leben ist nicht Arbeit. Wenn es sich für manche auch nicht so anfühlt, gibt es dafür wissenschaftliche Beweise. Eine nun erschienene Studie von Gerhard Blasche und Daniela Haluza am Zentrum für Public Health, Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin, zum Ermüdungszustand von Menschen nach einem Zwölf-Stunden-Arbeitstag hat ergeben, dass diese langen Dienste zu einer erheblichen Tagesermüdung führen, die nur schwer auf normalem Weg durch die Tagesfreizeit abgebaut werden kann, andererseits aber Gesundheitsrisiken und erhöhte Unfallgefahren sowie Fehlerhäufigkeit birgt.

Untersucht wurde dazu die Belastung von AltenpflegerInnen in Senioren-Wohnheimen in Niederösterreich und Oberösterreich an Zwölf-Stunden-Arbeitstagen. Das Ergebnis, so die WissenschafterInnen: "Der Ermüdungszuwachs während eines Zwölf-Stunden-Tagdienstes ist dreieinhalb mal höher als an einem arbeitsfreien Tag, außerdem nimmt die Ermüdung bei zwei aufeinanderfolgenden Zwölf-Stunden-Diensten weiter signifikant zu." Zusatz: "Die Erholung am Tagesrand reicht in diesem Fall nicht aus, um diese Ermüdung sofort auszugleichen."

Leistungsknick kommt

Nach zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit je zwölf Stunden Arbeitszeit müsste man drei Tage freinehmen, um sich vollständig zu erholen, wie die Studie zeigt. Generell gebe es praktisch bei jedem Menschen spätestens ab der zehnten Tagesarbeitsstunde einen deutlichen Leistungsknick – inklusive erhöhter Unfallgefahr im Beruf oder im Straßenverkehr.

Deshalb sollte die Tagesarbeitszeit in der Regel acht Stunden nicht überschreiten, so eine Schlussfolgerung aus der Studie. Blasche: "Das zeigt, dass unsere derzeitige Regelung eines Acht-Stunden-Tages eine gesunde Basis ist." Wer jahrelang 50 oder mehr Stunden pro Woche arbeitet, hat ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bzw. für die Zunahme psychischer Erkrankungen, das gilt insbesondere für Frauen. "Das kommt wahrscheinlich wegen der höheren zusätzlichen Belastung durch Kinderbetreuung."

Keine Ausreden

Längere Arbeitstage bzw. geblockte Arbeit seien ebenfalls nicht sinnvoll. Zur Leistungserbringung ist dann aufgrund der fortgeschrittenen Ermüdung eine überproportional größere Anstrengung erforderlich, mit der dazugehörigen Stressreaktion.

Überdies verhindert die angestaute Ermüdung, die Freizeit auch richtig genießen zu können, trotz allfälliger Vorteile geblockter Arbeit bei der Kinderbetreuung. Generell neige der Mensch in unserer leistungsorientierten Gesellschaft eher dazu, sich zu verausgaben, daher müssten die Unternehmen darauf achten, dass die ArbeitnehmerInnen Pausen einlegen und dazu anregen, diese auch wirklich zu nutzen. (red, 6.3.2017)