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Beinhartes Linzer Derby: Rasenmähermann gegen Sparefroh

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8. März 2017, 06:00

Einsparung bei Mäharbeiten: Sportvereine zeigen der Stadtpolitik die rote Karte

Linz – Manchmal mag es durchaus ein Ansinnen der Politik sein, über heikle Angelegenheiten einfach das Gras wachsen zu lassen. In Linz sorgt aber das satte Grün jetzt für heftige Diskussionen im Rathaus. Zu politisch-botanischen Problemflächen haben sich jüngst nämlich die Spielstätten der Linzer Sportvereine entwickelt.

SPÖ und FPÖ hatten bereits im Herbst den städtischen Sparstift am Rasen angesetzt – und mehrheitlich beschlossen, die seit Jahrzehnten für die Vereine kostenlos übernommenen Mäharbeiten nicht mehr anzubieten. 139.000 Euro im Jahr würde diese Maßnahme bei den 39 Vereinen bringen.

Teure Gartenarbeit

Verhüllte in den Wintermonaten noch eine Schneedecke die Problematik, keimt jetzt mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen auch der der Konflikt am Rasen. Die zumeist ehrenamtlich geführten Vereine sehen sich vor allem finanziell kaum in der Lage, die aufgezwungene Gartenarbeit zu bewältigen.

Besonders heikel ist die Situation für rund 20 Vereine, die im Fußball-Unterhaus aktiv sind. In gut zwei Wochen wird der Meisterschaftsbetrieb angepfiffen – und dafür muss der Rasen gestutzt sein.

Kleiner Mäher, großer Ärger

Die Angst davor, dass das runde Leder nicht rollen kann, hat in der Stadtregierung zu einem neuerlichen Nachdenkprozess geführt. Mit einem vorläufig bescheidenen Ergebnis: Die Stadt bietet den Vereinen den vergünstigten Kauf von Rasenmähertraktoren an. Um 3.000 Euro pro Stück wäre ein Mini-Grünflitzer zu haben. Das Problem dabei: Der vorgeschlagene Mäher eignet sich für Flächen bis 5.000 Quadratmeter – ein Fußballfeld hat mehr als 7.000 Quadratmeter.

Parallel zum eigentlichen Problem ist nun auch ein politischer Kompetenzstreit entbrannt. Die Linzer ÖVP sieht die Zuständigkeit im Ressort von Sportstadträtin Karin Hörzing (SPÖ), dort ortet man aber Handlungsbedarf beim schwarzen Vizebürgermeister und Grünflächen-Referenten Bernhard Baier.

Eine Lösung scheint derzeit nicht in Sicht. Die Linzer ÖVP brachte vergangenen Donnerstag einen Dringlichkeitsantrag in die Gemeindesitzung ein. Gefordert wird darin eine Fortführung der Mäharbeiten wie bisher, also von der Stadt finanziert. Dieser Antrag wurde mit Zustimmung der SPÖ sowohl dem Sport- als auch dem Grünausschuss zugewiesen. Parallel dazu laufen rot-schwarze Rasenkrisengespräche zwischen Hörzing und Baier. Der Linzer ÖVP-Klubchef Martin Hajat fordert im STANDARD-Gespräch dennoch eine Übergangslösung: "Die Vereine müssen rechtzeitig in die Saison starten können. Bis eine endgültige Lösung gefunden ist, sollte die Stadt wie bisher den Mäher anwerfen." (Markus Rohrhofer, 8.3.2017)