Zu wenige Bürgermeisterinnen in Österreich

7. März 2017, 13:34

Nur 7,5 Prozent der Ortschefs sind Frauen. Bürgermeisterinnen empfehlen Mutmacherprogramme, Vorbilder, Wertschätzung und Netzwerke

Wien – Nur 7,5 Prozent der BürgermeisterInnen Österreichs sind Frauen. 157 der insgesamt 2.100 Städte und Gemeinden werden derzeit von Bürgermeisterinnen geführt. Der Anteil an Frauen im Bürgermeisteramt hat sich in den letzten 18 Jahren zwar mehr als verdreifacht, allerdings von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau. Gemeindebund-Chef Helmut Mödlhammer (ÖVP) will den Frauenanteil deshalb erhöhen.

"Es wurden in den letzten Jahren zwar spürbare Fortschritte gemacht, in Summe ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der kommunalen Ebene aber immer noch zu gering", erklärt Mödlhammer anlässlich des Weltfrauentags. Wie schwer es Bürgermeisterinnen in Österreich immer noch haben, zeigte im Vorjahr etwa die Groteske um die Bregenzerwälder Gemeinde Egg. Die aussichtsreichste Kandidatin warf dort noch vor ihrem Antreten das Handtuch. Der Grund: Anfeindungen wegen ihrer dreifachen Mutterschaft.

Vereinbarkeit von Amt und Familie als Hürde

Die Vereinbarkeit des Bürgermeisteramts mit der Familie wird denn auch häufig als eines der größten Probleme für Bürgermeisterinnen genannt. Frauen im Amt müssten sich Respekt und Anerkennung zudem viel härter erarbeiten als Männer. Es werde – anders als bei Männern – viel genauer hingeschaut bei einer Bürgermeisterin, meint etwa Maria Skazel, Ortschefin von St. Peter im Sulmtal.

"Die größte Hürde, um an die Spitze einer Gemeinde zu kommen, ist es, sich gegen männliche Konkurrenz zu behaupten", sagt Monika Schwaiger, Bürgermeisterin von Seekirchen am Wallersee. Maria Pachner aus Grieskirchen sieht "fehlendes Selbstvertrauen der Frauen, männerdominierte Rankings oder fehlende MentorInnen" als Problemfelder. Die besten Positionen in einer Gemeinde seien meist von Männern besetzt, ergänzt Irene Gölles aus Gloggnitz. Es sei daher schwieriger, als Frau überhaupt in die engere Wahl für Führungsfunktionen zu kommen.

Höchste Frauenquote in Verwaltung

Den höchsten Frauenanteil im Bürgermeisteramt weist Niederösterreich mit elf Prozent auf. Dort gibt es 63 Ortschefinnen in insgesamt 573 Gemeinden. Schlusslichter sind die Salzburger Gemeinden mit 3,4 Prozent Frauenanteil. Nur vier von 119 Kommunen werden von Frauen geführt. Etwas besser fällt die Bilanz bei den Vizebürgermeisterinnen und Gemeinderätinnen aus. 331 Frauen sind in ihrer Gemeinde Nummer zwei. Und von den rund 39.700 Gemeinderäten in Österreich sind 9.100 Frauen. Das entspricht rund 25 Prozent.

"Es ist leichter, dass man Frauen für eine Gemeinderatstätigkeit als für eine Spitzenfunktion gewinnt", so Mödlhammer. "Vor dem letzten kommunalpolitischen Karriereschritt scheuen sich viele Frauen." Am höchsten ist die Frauenquote übrigens in der Verwaltung. Mehr als 440 Amtsleiterinnen gibt es in Österreichs Gemeinden. "Das ist keine politische, sondern eine operative Aufgabe, dafür interessieren sich Frauen oft mehr, weil sie vielleicht auch pragmatischer denken und ihnen der parteipolitische Aspekt weniger gefällt", vermutet Mödlhammer.

Um mehr Frauen in kommunale Spitzenfunktionen zu bringen, empfehlen Bürgermeisterinnen wie die Grießkirchnerin Pachner "Mutmachprogramme, Vorbilder, Wertschätzung und einen achtsamer Umgang miteinander". Für Erika Rogl aus Kals am Großglockner braucht es vor allem eine bessere Vereinbarkeit von Amt und Familie, konkrete Schulungen und das Bilden von Netzwerken. (APA, 7.3.2017)