USA und Türkei: Politische Kosten

Kommentar |
10. März 2017, 13:20

Ankara erhoffte sich vom US-Präsidenten, dass er die Zusammenarbeit mit der syrischen Kurdenmiliz YPG hinunterfährt

Militärisch macht US-Präsident Donald Trump mit seiner Ankündigung ernst, den "Islamischen Staat" in Syrien und im Irak vernichten zu wollen: Dazu wird auch die amerikanische Truppenpräsenz in der Region erhöht. Wie Trump aber die politischen Fallstricke umgehen will, die mit erhöhtem Engagement für die USA noch dichter gesät sind als zuvor, ist völlig unklar.

Am brisantesten ist dabei das Verhältnis zum Nato-Partner Türkei. Von Trump hatte sich Ankara erhofft, dass er die Zusammenarbeit mit der syrischen Kurdenmiliz YPG hinunterfährt, die der PKK nahesteht. Aber nun werden die YPG als US-Speerspitze gegen den IS sogar noch aufgewertet. Die bei Manbij neu stationierten Army Rangers sollen die Türken von Angriffen auf die Kurden abschrecken.

Wer die türkischen Sensibilitäten ignoriert, muss mit Kosten rechnen. Dass Ankara gerne die Nato-Basis in Incirlik politisch einsetzt, erlebt soeben wieder Deutschland. Es kann auch nicht im US-Interesse liegen, die Türkei noch weiter in die Arme Russlands zu treiben. Aber es geht auch um die zweite Säule von Trumps Nahostpolitik: die Eindämmung des Iran. Zwar agiert die Türkei aus Eigeninteresse, wenn sie soeben im Sinjar-Gebiet kurdische Peschmerga gegen eine PKK-nahe, vom Iran geförderte Jesidenmiliz unterstützt: Aber das macht sie dennoch zum US-Partner bei der Verhinderung eines iranischen Korridors über den Irak nach Syrien und weiter. (Gudrun Harrer, 10.3.2017)