Foto: Marlene Hausegger

Marlene Hauseggers "Kollisionszonen": Von Mauern und Menschen

10. März 2017, 13:51

Während ihrer Residency in Mexiko-Stadt 2016 kam auch Marlene Hausegger am Thema Mauer nicht vorbei. "Kollisionszonen" heißt nun ihre Präsentation im Projektraum Viktor Bucher

Der öffentliche Raum ist das Spielfeld von Marlene Hausegger. Seien es nun die Plotteggs, die sie mit einfachen Gesichtern bemalte, oder das Iglu, das sie im sommerlichen Belgrad baute – meist schwingt in ihren Interventionen neben einer humorvollen und poetischen Komponente auch eine politische mit.

In Belgrad war die Klimaerwärmung in Form ausrangierter Klimageräte förmlich greifbar; und mit den Plotteggs führte sie der Landbevölkerung eines von deren ausschließenden Credos vor Augen. Hier ist das WIR-Gefühl noch stark ausgeprägt heißt die Arbeit, die 2014 entstand, also ein Jahr bevor die Flüchtlingsthematik im ländlichen Raum überhaupt aufgetaucht war.

Mit Zäunen oder gar einer Mauer lässt sich das Faible der Künstlerin für symbolische, aber immer wieder auch ganz reale Grenzüberschreitungen freilich nicht in Einklang bringen. Während ihrer letztjährigen Residency in Mexiko-Stadt gab es an diesem Thema allerdings kein Vorbeikommen.

Hausegger beschränkte ihre Auseinandersetzung dabei jedoch nicht bloß auf Trumps Mauer. In der Ausstellung Kollisionszonen ist ein Graffito zu sehen. Es zeigt die Lettern MX und eine im Comicstil gezeichnete Wand mit Füßen. "Es ist zum Davonlaufen", denkt man fast automatisch, ein Satz, der derzeit wohl gleichermaßen zur Stimmung in Mexiko wie zu jener in den USA passt.

Ein Mauernachbau ist das zentrale Ausstellungsstück – mit weißer Farbe bemalt und an der Oberseite mit bunten Glasscherben bestückt. Hausegger zitiert hier formal jene Art von Mauer, die in Mexiko-Stadt die reichen Gegenden von den armen trennt.

Die Natur frisst sich durch

Dass diese Trennung dort gleich auf mehreren Ebenen sichtbar wird, bezeugen Fotografien. Eine davon zeigt die über Pfeiler verlaufende kostenpflichtige Stadtautobahn, unter der sich die Autos der Ärmeren stauen. Auf einem anderen sieht man, wie sich zumindest die Natur durch Zäune und Mauern "frisst".

Mit zwei kleineren Objekten, die Hausegger auf ihrer Mauer platziert hat, thematisiert sie die postkoloniale Geschichte des Landes, aber auch die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA. Dabei dient der Künstlerin eine Coladose, also eine US-Ikone, als Sockel für die Nachbildung einer berühmten mexikanischen Ikone, der sogenannten Cabeza de Coyote. Es handelt sich dabei um den Kopf eines Kriegers, der aus dem Maul eines Koyoten schaut. Die Künstlerin entdeckte das Original der Figur im Museo Nacional de Antropología, wo sie außerdem auch in einem sich verrenkenden präkolumbianischen Akrobaten ein Sinnbild für unsere Gesellschaft fand.

Ihre Nachbildung dieser Figur hat Hausegger dabei auf eine blaue Getränkedose des mexikanischen Unternehmens Jumex gesetzt. Dass dieses 80 Prozent seiner Produkte in die USA exportiert, ist bekanntlich nicht im Sinne Trumps. In Hauseggers Skulptur steckt daher auch der Verweis darauf, dass ein Handelsstopp die von Jumex stark geförderte Gegenwartskunst in Mexiko massiv bedroht. (Christa Benzer, Album, 10.3.2017)

Bis 25. 3., Projektraum Viktor Bucher,

Praterstraße 13/1/2, 1020 Wien