Blauschmuck

Einserkastl |
12. März 2017, 18:05

Opfer häuslicher Gewalt

Das Thema häusliche Gewalt an Frauen will und will nicht aus den Medien verschwinden. Das ist in jedem einzelnen Fall sehr gut so. Häusliche Gewalt ist nicht zu tolerieren.

Es fällt aber einigen offenbar viel leichter, sich über diese Gewalt zu empören, wenn der Täter einem ganz bestimmten Feindbild entspricht. Stichwort: der gefährliche Muslim und sein steinzeitliches Weltbild.

Geht diese Gewalt von einem gut vernetzten FPÖ-Politiker aus, dann kann die ganze Sache gleich einmal etwas anders rüberkommen. Die Gattin, die er seit Jahren misshandelt hatte (wovon laut Richter sowohl viele Zeugen als auch eine ärztliche, erschreckende Dokumentation der Verletzungen vorhanden sind) hielt es eines Tages nicht mehr aus und stach in Notwehr zu.

Obwohl ihr Körper zum Zeitpunkt der Festnahme massive alte und frische Verletzungen aufwies, saß sie erst einmal vier Monate in Untersuchungshaft. Ihr Partner nicht. Der Fall kippte erst während der Verhandlung, bei der sie freigesprochen wurde.

Der Partner wiederum wurde nicht rechtskräftig wegen langjähriger und heftiger Gewaltausübung verurteilt. Für das Martyrium wurden der Frau ganze 500 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Die Botschaft an alle Opfer häuslicher Gewalt war bis zu diesem Freispruch folgende: Du darfst dich nicht wehren, und du bist auch kaum etwas wert. (Julya Rabinowich, 12.3.2017)