Israels Militärschlag in Syrien: Botschaft an Putin

Kommentar |
19. März 2017, 18:47

Die jüngste Konfrontation zwischen Israel und Syrien wirft viele Fragen auf

Israelische Luftangriffe in Syrien kommen seit 2012 immer wieder vor: Die Hisbollah, die in Syrien auf der Seite des Assad-Regimes kämpft, soll daran gehindert werden, hochentwickelte Waffen in den Libanon zu schaffen. Insofern wäre also der israelische Militärschlag in der Nacht zum Freitag nichts Außergewöhnliches gewesen. Aber Zeitpunkt und Verlauf werfen Fragen auf.

Diesmal antwortete Assad mit (alten russischen) Boden-Luft-Raketen gegen die israelischen Jets, Israel setzte über dem Jordantal sein Raketenabwehrsystem Arrows ein (Teile der israelischen Rakete gingen in Jordanien nieder). Das ist ein großer Einsatz, über den Israel nicht, wie sonst bei Syrien-Aktionen üblich, schweigen konnte. Die Eskalation ist sozusagen amtlich. Dass Assad Israel in einen Konflikt ziehen will, glaubt indes niemand: Das wäre suizidal.

Aber was spielt Russland, der wahre Boss in Syrien, für eine Rolle? Premier Benjamin Netanjahus Besuch bei Präsident Wladimir Putin liegt erst eine gute Woche zurück. Ihr Verhältnis wird als exzellent bezeichnet – ebenso die israelisch-russische militärische Koordination, die "Unfälle" verhindern soll. Aber diesmal sind die Russen sauer und zeigen es auch. Haben sie etwa gar die syrische Entscheidung, zurückzuschießen, abgenickt? Wollte Israel seinerseits ein Signal an Moskau senden, dass es – bei aller Liebe zu Putin – nicht dulden wird, dass der Iran und seine Stellvertreter sich in Syrien festsetzen? (Gudrun Harrer, 19.3.2017)