Erneuter Chefwechsel: Chaos bei Uber geht weiter

20. März 2017, 06:22

Präsident Jeff Jones steigt nach einem halben Jahr wieder aus

San Francisco – Die Turbulenzen beim US-Fahrdienstvermittler Uber vertreiben einen Hoffnungsträger aus der Chefetage: Jeff Jones, die Nummer zwei hinter Travis Kalanick, verlässt das Unternehmen nach weniger als einem Jahr. Der Manager, der auf dem Posten eines Präsidenten unter anderem für das Markenimage, die Beziehungen zu Fahrern und die Entwicklung von Mitfahrangeboten zuständig war, zeigte sich zum Abgang verärgert.

"Es ist klar, dass die Überzeugungen und Ansätze, die meine Karriere bestimmt haben, nicht vereinbar sind mit dem, was ich bei Uber gesehen und erlebt habe", sagte Jones dem Tech-Blog "Recode" am Sonntagabend. Er war von dem US-Handelsgiganten Target, bei dem er Marketingchef war, zu Uber gekommen und galt als der erfahrene Mann im dortigen Topmanagement.

Suche nach rechter Hand

Kalanick versuchte im Gegenzug, eine Verbindung zwischen Jones' Abgang und der laufenden Suche nach einer rechten Hand auf einem neugeschaffenen Geschäftsführerposten anzudeuten. Nach dieser Ankündigung "kam Jeff zu der schweren Entscheidung, dass er seine Zukunft nicht bei Uber sieht", schrieb der Uber-Gründer in einer E-Mail an die Mitarbeiter.

Uber geriet zuletzt in den Mittelpunkt mehreren Kontroversen. Die Google-Schwesterfirma Waymo wirft Uber in einer Klage den Einsatz von Technologie vor, die ein ehemaliger Mitarbeiter gestohlen habe. Eine ehemalige Softwareentwicklerin beschrieb eine von Frauendiskriminierung geprägte Unternehmenskultur. Und Kalanick geriet nach einem auf Video aufgezeichneten Streit mit einem Uber-Fahrer in die Kritik. Danach kündigte er an, einen Topmanager für das Tagesgeschäft zu suchen, weil er als Manager selbst noch reifen müsse.

Mehrere Abgänge

Die BBC berichtete am Montag unter Berufung auf zwei informierte Quellen bei Uber, Kalanick könne sich vom Chefposten zurückziehen, sobald der neue Zuständige für das operative Geschäft gefunden sei. Kalanick gilt als treibende Kraft hinter der globalen Expansion von Uber – aber auch als polarisierender und aggressiver Manager.

Unterdessen verlässt am Monatsende mit dem Chef der Kartenentwicklung und der Businessplattform Brian McClendon noch ein Topmanager Uber. Er gehe aber ohne böses Blut und wolle in die Politik in seiner Heimat Kansas einsteigen, berichtete die "New York Times". Seit Jahresbeginn sind schon mehrere profilierte Manager weg, unter anderem Produktchef Ed Baker, Raffi Krikorian aus dem Roboterwagenbereich sowie der Topentwickler Amit Singhal, weil er Uber den Vorwurf sexueller Belästigung bei seinem vorherigen Arbeitgeber Google verschwiegen hatte. (APA, Reuters, 20.3.2017)