Wien trennt sich vom KAV-Chef: Der Sparzwang bleibt

Kommentar |
20. März 2017, 16:46

Gegenwind bließ Janßen immer entgegen

Es war eine Hauruck-Aktion: Dass die Stadt Wien sich von Udo Janßen als Chef des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) trennt, soll der Betroffene selbst erst Montagfrüh erfahren haben. Janßen saß zwar längst nicht mehr sicher im Sattel – wodurch das Vertrauen konkret gebrochen wurde, ließ Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) am Montag aber offen.

Auslöser könnte das sich verzögernde und immer teurer werdende Krankenhaus Nord sein. Oder die sich zäh gestaltenden Verhandlungen zur Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes. Oder die Regelmäßigkeit der Negativschlagzeilen: von Gangbetten bis zu hohen Honoraren für externe Berater. Gleich zu Amtsantritt hatte der Einzug des Deutschen in eine günstige Personalwohnung bei einem Monatslohn von 24.000 Euro brutto Wirbel erzeugt.

Gegenwind bließ Janßen, der zweifelsohne kein Sympathieträger war, immer entgegen: aus dem KAV, der Ärztekammer, der Opposition. Die Kritiker jubeln nun, sollten sich aber nicht zu früh freuen: Den Ärzten zuwiderlaufende Abteilungszusammenlegungen und auf der Kippe stehende Nachtdiensträder bleiben ein Thema. Janßen wurde als Sanierer geholt. Wenn die Stadt ihm nun nicht mehr vertraut, kann das heißen, dass er gerade die Aufgabe des Sparmeisters nicht mehr gut genug erfüllt hat.

Eine Hoffnung ist aber sicherlich berechtigt: dass ihm jemand nachfolgt, der mehr Fingerspitzengefühl beweist. (Gudrun Springer, 20.3.2017)

Weitere Kommentare von Gudrun Springer lesen sie hier.