Junge Mitteleuropäer sind Befürworter der EU

21. März 2017, 06:08

Deutsche größte Optimisten, hohe Zustimmung auch in Visegrád-Staaten – Österreicher besonders skeptisch bei Aushöhlung von Menschenrechten im Anti-Terror-Kampf

Gütersloh – Die Jugend in den mitteleuropäischen Staaten steht dem europäischen Einigungsprojekt äußerst positiv gegenüber. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage der Bertelsmann-Stiftung. Mehr als 77 Prozent der Befragten zwischen 15 und 24 Jahren in Deutschland, Österreich und den Visegrád-Staaten Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn bewerten die EU-Mitgliedschaft ihres Landes positiv.

Die größte Anhängerschaft hat die EU demnach in Deutschland mit 87 Prozent, gefolgt von Ungarn (79), Österreich (77), Polen (76), Tschechien (73) und der Slowakei (70). Austrittsforderungen sind nicht mehrheitsfähig: Nur 16 Prozent der Befragten sind für ein Verlassen der EU. Den Status quo unterstützen aber auch nur 17 Prozent. 67 Prozent sind dafür, dass ihr Land in der EU bleibt und an ihrer Reform arbeitet.

Als größten Nutzen der EU-Mitgliedschaft betrachten die Jugendlichen den Frieden zwischen den Mitgliedern (78 Prozent), danach folgen die Arbeitsmöglichkeiten (66) und Studienmöglichkeiten (62) im EU-Ausland. Als größte Probleme werden der islamistische Terrorismus und die Integration von Flüchtlingen gesehen.

Spannung zwischen Menschenrechten und Terrorkampf

Gerade in der Flüchtlingsfrage zeigen sich auch deutliche Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich einerseits und den Visegrád-Staaten andererseits. 73 Prozent der jungen Deutschen und 61 Prozent der jungen Österreicher geben an, dass ihr Land Flüchtlinge aufnehmen soll. In der Slowakei (75 Prozent), Polen (73), Ungarn (72) und Tschechien (70) sprachen sich hingegen große Mehrheiten gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus.

Differenzen gibt es auch, was das Spannungsverhältnis zwischen Menschenrechten und Anti-Terror-Kampf betrifft. In Tschechien (47 Prozent) und Ungarn (51 Prozent) stimmte eine Mehrheit der Befragten der Aussage zu, dass Menschen- und Bürgerrechte manchmal eingeschränkt werden müssten, um die Gesellschaft besser vor Terrorismus und anderen Gefahren zu schützen. Auf die größte Ablehnung stieß diese Aussage in Österreich (48 Prozent, Zustimmung: 35 Prozent), gefolgt von Deutschland (46 Prozent, Zustimmung: 35 Prozent) und Polen (43 Prozent, Zustimmung: 40 Prozent), während die Slowaken diesbezüglich mit 39 zu 39 Prozent gespalten waren.

71 Prozent der Deutschen und Österreicher bezeichnen die Demokratie als bestes Regierungssystem, in den Visegrád-Staaten sind die Werte deutlich niedriger (Tschechien 60 Prozent, Slowakei 51, Polen 50, Ungarn 48). Allerdings gibt es in allen Ländern klare ablehnende Mehrheiten zur Aussage, es spiele keine Rolle, ob eine Regierung demokratisch sei oder nicht.

Die Umfrage wurde von der Bertelsmann-Stiftung gemeinsam mit fünf Partnern zwischen 30. Jänner und 13. Februar durchgeführt. Pro Land wurden 500 Jugendliche befragt. (APA, 21.3.2017)