Neue Biomarker: Diabetes vorhersagen

22. März 2017, 12:14

Schon Jahre vor dem Ausbruch von Typ-2-Diabetes lässt sich die Krankheit vorhersagen, so zwei Studien aus der Schweiz. Hinweise dafür liefern ein Gen und Fettmoleküle

Zwei internationale Forscherteams unter Schweizer Leitung haben neue Biomarker entdeckt, mit denen man Typ-2-Diabetes Jahre vor Ausbruch der Krankheit vorhersagen kann. Die Entdeckungen gelangen im Rahmen einer europaweiten öffentlich-privaten Zusammenarbeit.

In einer ersten Studie unter Leitung von Mark Ibberson vom Schweizer Institut für Bioinformatik (SIB) entdeckten die Forscher ein Schlüsselgen, das mit Typ-2-Diabetes in Zusammenhang steht. Wie sich zunächst bei Mäusen und später auch bei menschlichen Zelllinien herausstellte, spielt das Gen namens Elovl2 eine Rolle bei der Insulinsekretion, berichtete das Team im Fachblatt "Molecular Metabolism".

Lässt die Aktivität dieses Gens nach, sinkt auch die Insulinsekretion als Antwort auf die Anwesenheit von Glukose, schrieben die Forscher. Das galt sowohl für die Versuche an Mäusezellen als auch für eine menschliche Betazelllinie, die den bei Diabetes betroffenen Zellen der Bauchspeicheldrüse ähneln. Ein reduziertes Level an Elovl2 könnte somit als Anzeichen für ein Versagen der Blutzucker-Regulation dienen.

Fettmoleküle liefern Hinweise

In einer parallelen Arbeit entdeckten Forscher um Bernard Thorens von der Uni Lausanne und Leonore Wigger vom SIB mehrere Fettmoleküle (Lipide), die sich für die Früherkennung von Diabetes eignen würden. Dabei handelt es sich um eine bestimmte Klasse von Lipiden, die sogenannten Dihydroceramide.

Nachdem die Forscher diese möglichen Biomarker zunächst in Studien mit Mäusen identifiziert hatten, überprüften sie ihren Fund auch beim Menschen. Dazu zogen die Wissenschafter Daten aus zwei großen Kohortenstudien aus der Schweiz und Frankreich heran. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Dihydroceramide bei späteren Typ-2-Diabetes-Patienten systematisch erhöht waren. Und zwar bis zu neun Jahre bevor die Krankheit diagnostiziert wurde, wie das Team kürzlich im Fachblatt "Cell Reports" berichtete.

An den Studien waren akademische Teams, Pharmaunternehmen sowie ein KMU beteiligt, wie das SIB in einer Mitteilung festhielt. Sie fanden im Rahmen des IMIDIA-Projekts statt, einer öffentlich-privaten Partnerschaft der "Innovative Medicine Initiative" (IMI), die von Bernard Thorens geleitet wird und sich der Suche nach innovativen Diagnostik- und Therapieansätzen für Diabetes verschrieben hat. (APA, 22.3.2017)