Foto: APA/AFP/TIMOTHY A. CLARY

Kerstin Frank, das schiefe Eis und das lange Ausharren

28. März 2017, 09:45

Eiskunstläuferin Kerstin Frank ist fast am Ende einer schwierigen Saison. Weil ihre Trainerin erkrankte, übte sie eine Weile in Deutschland. Und wenn sie doch in Wien trainiert, dann ist das Eis uneben. Bei der WM in Helsinki will sie "das machen, was ich kann"

Wien – Draußen scheint die Sonne, ein angenehmer Frühlingstag. Drinnen friert man. Eisring Süd, Wien-Favoriten, die Eiskunstläuferin Kerstin Frank (28) absolviert eine ihrer letzten Trainingseinheiten für die Weltmeisterschaften in Helsinki.

Ausnahmsweise muss sich die Wienerin die Eisfläche nur mit einer Läuferin teilen. Nach einer Stunde hat sie das Eis sogar für sich allein. So richtig zufrieden wirkt Frank trotzdem nicht. Es klappt nicht alles nach Wunsch. "Das Eis ist scheiße", sagt sie zu ihrer Mutter Ingrid, die an diesem Tag an der Bande steht und die Anweisungen gibt.

"Es ist nicht eben", präzisiert Frank später. "Es hebt nicht richtig." Was bedeutet, man könne nicht gut abspringen. Seit Jahren klagen die Eiskunstläufer über suboptimale Trainingsbedingungen in Wien. Es hapere nicht nur an der Eisqualität. Die Trainingszeiten würden häufig nicht eingehalten. Allzu oft muss sich Frank die Eisfläche mit mehreren Kindern teilen. "Wenn man zum 99. Mal um ein Kind herumkurvt, ist man schon einmal frustriert."

Sechsfache Staatsmeisterin

Die Bedingungen seien für den Leistungssport nicht förderlich, sagt Frank. Sie hat es trotzdem weit gebracht. Sechsmal wurde sie Staatsmeisterin, 2013 war sie bei der EM in Zagreb Zwölfte – ihr bestes WM-Ergebnis war ein 21. Platz 2012 in Nizza. In Helsinki, wo neben Frank nur die Paarläufer Miriam Ziegler und Severin Kiefer für Österreich antreten, will die Wienerin "das machen, was ich kann".

Kerstin Frank liebt ihren Sport, auch wenn die Trainingsbedingungen zuweilen frustrierend seien.
foto: apa/afp/timothy a. clary

Am Mittwoch absolviert sie ihr Kurzprogramm zur Benny-Goodman-Nummer Sing Sing Sing. Klassiert sie sich unter den besten 24, darf sie auch ihr Kürprogramm zur Musik aus Tanz der Vampire vorführen. "Die Form ist gut", sagt Frank. Mit der Saison, die dem Ende zugeht, ist sie relativ zufrieden. Es war eine schwierige Saison.

Schuhwechsel nach Verletzung

Vor einem Jahr zog sie sich eine Bänderverletzung zu. Danach musste sie die Schuhe wechseln. Eine Umstellung. "Ich steh’ anders drin." Dann erkrankte ihre langjährige Trainerin Sonja Harand. "Sie ist wie eine zweite Mama für mich." Bei der EM in Ostrava im Jänner absolvierte Frank ein gutes Kurzprogramm, nach einer fehlerhaften Kür fiel sie aber vom 17. auf den 22. Platz zurück. "Sorry Sonja – don’t know why", postete Frank danach auf ihrer Facebook-Seite.

Weil es in Wien keinen adäquaten Ersatz für ihre Trainerin gäbe, übte Frank nach der EM in Mannheim bei Peter Sczypa. Aus geplanten drei Wochen wurden sechs. Sie musste einmal innerhalb der Stadt umziehen. Zuletzt trainierte sie eine Woche lang in Oberstdorf bei Karel Fajfr, der Frank auch in Helsinki betreut. "Das Vagabundenleben habe ich satt", sagt Frank.

Der Eingang zum Eisring-Süd in Wien-Favoriten. Drinnen sieht's nicht viel moderner aus.
foto: riezinger

Nach der WM absolviert die Wienerin eventuell noch einen Wettkampf. Wie es dann weitergeht, weiß sie noch nicht. "So weit plane ich nicht." Nächstes Jahr ist Olympia – Frank will in Pyeongchang dabei sein. Es wären ihre zweiten Spiele nach 2014. In Sotschi wurde sie 26., die Teilnahme an der Kür verpasste sie nur um 0,56 Punkte. Wo sie in der Olympia-Saison trainieren wird, steht noch in den Sternen. All die Jahre ist sie hauptsächlich wegen ihrer Trainerin in Wien geblieben.

Die Mama als Sponsor

Die Bedingungen seien frustrierend. Und ohne die finanzielle Unterstützung ihrer Mutter ginge längst nichts mehr. Hie und da hat sich Frank schon gefragt: "Warum tue ich mir das an?" Aber: "Ich habe noch zu viel Liebe für den Sport." Mit 28 zählt sie nicht mehr zu den jüngsten Eiskunstläuferinnen. Die aktuelle Dominatorin, die Russin Jewgenia Medwedewa, ist Weltmeisterin, zweifache Europameisterin und erst 17 Jahre alt.

Irgendwann also wird Schluss sein für Kerstin Frank. Im Vorjahr hat sie den Trainerschein gemacht. Eine Zukunft als Eiskunstlauf-Coach kann sie sich vorstellen. Und wo? Die Mama sagt: "Bloß nicht in Österreich." (Birgit Riezinger, 28.3.2017)