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Drohnen und Billigflieger erobern Österreichs Luftraum

30. März 2017, 14:40

Die Zahl der unbemannten Flugobjekte schnellt hoch. Eine Beinahekatastrophe, wie sie Marcel Hirscher in Italien erreilte, sei hierzulande kaum denkbar, so die Austro Control

Wien – Stau in der Luft gebe es nicht, ein solcher entstehe aber sehr wohl am Boden, sagt Austro-Control-Chef Heinz Sommerbauer bei der Präsentation der Bilanz für 2016. So würde es in Wien zu Peak Hours, wie die Rushhour im Flugverkehr heißt, durchaus eng. 44 Landungen in einer Stunde seien dann in Schwechat abzufertigen, doppelt so viele wie in einer schwächeren Phase etwa um die Mittagszeit. Deswegen, so Sommerbauer, sei man davon überzeugt, dass eine dritte Piste in Schwechat notwendig sei.

Mehr Billigflieger, weniger Urlaubsflüge

Auch wenn die Zahlen derzeit nicht unbedingt dafür sprechen. Insgesamt nahm der Flugverkehr über Österreich im vergangenen Jahr nur um 0,5 Prozent zu, europaweit waren es 2,7 Prozent. Den größten Zuwachs mit 9,1 Prozent gab es im Billigairline-Segment, einen Rückgang von 15,1 Prozent hingegen verzeichnete der Urlauberverkehr, weil Touristen unter anderem die Türkei und Ägypten eher mieden. Bei den Low-Cost-Airlines geht die Austro Control heuer sogar von zweistelligen Zuwachsraten aus.

Bei Landungen und Abflügen auf den heimischen Flughäfen gab es einen Rückgang um insgesamt 2,8 Prozent. Den größten Einbruch verzeichnete der Flughafen Klagenfurt mit einem Minus von 16,2 Prozent. Grund dafür ist die Generalsanierung der Piste im vergangenen Herbst. Linz verdankt das Minus von 12,1 Prozent der Tatsache, dass die AUA ihre Verbindungen nach Linz stark ausgedünnt hat. Doch auch in Wien ging die Zahl der Landungen minimal um 0,5 Prozent zurück. Langfristig geht Sommerbauer aber wieder von einem Wachstum aus. "Die dritte Piste braucht man in der Zukunft."

Sprunghafter Anstieg bei Drohnen

Anders sieht es in Sachen Drohnen aus. Hier stieg die Zahl der Bewilligungen im vergangenen Jahr sprunghaft auf 1.195. Im Jahr davor waren es noch 410 gewesen. Zurzeit werden laut Sommerbauer etwa 200 Anträge pro Monat gestellt. Das vergleichsweise strenge heimische Regelwerk habe sich bewährt, so Sommerbauer, auch wenn man sich durchaus der Tatsache bewusst sei, hier ein bisschen die "Spaßbremse" zu sein.

Ein Beinaheunfall, wie er Marcel Hirscher im italienischen Madonna di Campiglio durch eine abstürzende Kameradrohne ereilte, könne hierzulande nicht passieren. Auch Amazon habe mit Paketdrohnen in Österreich dank des strikten Regulativs derzeit keine Chance. "Sichtverbindung ist in Österreich Voraussetzung", so Sommerbauer. Österreichs Regelwerk findet laut Sommerbauer aber durchaus europaweit Anklang und dient bei der Erstellung einer einheitlichen europäischen Regulierung als Vorbild.

Die Austro Control steigerte ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 293,4 Millionen Euro. Nach Steuern bleib ein Gewinn von 5,7 Millionen, mit dem das Eigenkapital aufgestockt wurde. (rebu, 30.3.2017)